Motorpsycho & Stale Storlokken         17.04.12 Köln, Stollwerck

 

Fragt man einen Menschen danach, was ihm im Leben wichtig ist, fällt neben dem Streben nach Zufriedenheit unter anderen Wünschen und Hoffnungen meist auch die schlichte Aussage: glücklich sein. Hierbei kann sich allerdings recht unterschiedlich darstellen, was Glück für den Einzelnen bedeutet. In meinem Fall liegt ein glücklicher Umstand darin, im Laufe des launigen April eine Reise nach Köln zum Konzertbesuch einer von mir seit langem sehr geschätzten Bänd anzutreten. So treffen wir bei leichtem Nieselregen um kurz vor neun am Abend an Ort und Stelle ein, wo sich nicht viel später geschätzt weitere sechshundert Menschen befinden.

Um halb zehn wird es endlich dunkel im Raum. Die Beleuchtung setzt das große, in schwarz-weiß gehaltene Banner mit dem Emblem der Bänd, sowie kunstvoll gemalten Szenen der auf dem aktuellen Motorpsycho-Album erzählten Geschichte in den visuellen Fokus. Vom Band erschallen die Bläsersätze von "Out In The Woods", welches die musikalisierte Fabel "The Death Defying Unicorn" eröffnet. Dann formieren sich am rechten Bühnenrand Kenneth Kapstad am Schlagzeug, daneben Snah an den Gitarren, Bent am Bass sowie links Stale Storlokken mit seinen Keyboards und Knöpfen. Eine Zeile des ersten Stücks, "The Hollow Lands", lautet it seems the order was clear. Und wenn es Order dieses Abends sein soll, das Publikum von der ersten Sekunde an in den Bann der akustischen Inszenierung zu ziehen, so geht das Konzept hervorragend auf.

Für die Live-Aufführung dieses nicht ganz unkomplizierten Werks wird also auf orchestrale Begleitung verzichtet. Damit bleibt den vier erwähnten Protagonisten natürlich eine ganze Menge akustischen Raumes, welchen sie ausgezeichnet zu nutzen wissen. Innerhalb kürzester Zeit scheinen die Musiker vollständig in ihr Tun versunken. Es erklingen zeitweise vier Melodielinien - gerne auch mal vier Rhythmen - gleichzeitig, so dass mein Körper zeitweise gar nicht weiß, in welchem Takt er sich denn nun wiegen lassen möchte. Ebenso schnell wie die Bänd ist auch der Zuhörer inmitten des Geschehens der überaus dramatischen Geschichte, welche sich grade in der Live-Performance ebenso präsentiert. Ein erstes großes Highlight stellt bald das auf LP in zwei Teile getrennte "Through The Veil", wobei es sich nicht immer einfach gestaltet, klar zu erkennen, an welchem Punkt der Odyssee das Set sich gerade befindet. Eine Improvisation jagt die nächste, Pausen gibt es keine, auch keine Ansagen oder sonstige ans Publikum gerichtete Worte. Von Zeit zu Zeit allerdings verlassen in Phasen gemäßigteren Fahrwassers bis zu drei Musiker die Bühne. So ergeben sich sowohl Solo-Passagen Einzelner, insbesondere des Keyboarders, wie auch vereinzelte Interaktionen - mal Stale und Snah, dann Snah und Kenneth, der auch mal an ein weiteres Keyboard wechselt; dann wieder Kenneth und Stale - und immer wieder Bent. Dieser bildet unbestritten den Kopf des Ensembles, sucht häufig Blickkontakte und gibt kopfnickend Anweisungen.

Es stellt sich mir wieder mal nahezu unmöglich dar, besondere Highlights zu benennen. Ein außergewöhnlicher Moment jedoch ist ein Solo-Gesangspart des Keyboarders, als dieser sich von seinem Platz erhebt, fast etwas verschämt lächelnd die Kapuze seines weißen Schneewittchen-Umhangs aufzieht und eine der ruhigen Passagen intoniert. Oder der in einen silbernen Rücken-Umhang (der jedoch nur selten zu sehen war) gekleidete Bent, der Linkshänder, der zeitweise einen achtsaitigen, kurzerhand umgedrehten Rechtshänderbass spielt und ein Stück schließlich mit sieben Saiten zu beenden genötigt ist...

Ganze neunzig Minuten nimmt die Aufführung des wie ein einziges Stück daher kommenden Death Defying Unicorn in Anspruch, bevor sie mit dem finalen "...Into The Mystic" schließt. Die Norweger verlassen nach kurzen Dankesworten für einen Moment die Bühne. Dies erlaubt ein wenig Zeit, ausgiebig zu applaudieren und sich wieder etwas zu sammeln, bevor das Quartett zurückkommt und Bent einen Song des vorigen Albums 'Heavy Metal Fruit' ankündigt. Umgehend prasselt "Starhammer" mit seinem unweigerlichen Kopfnick-Riff auf das Publikum ein und schickt den Hörer gleich auf die nächste Reise. Eine nicht weniger als fantastische Version dieses ohnehin sehr geilen Stücks, mit dreistimmigem Gesang von Bent, Snah und Kenneth und einem von Stale's Keyboards nicht minder als hammermäßig gestalteten Mittelteil. Den Abschluss des zweistündigen Sets bildet eine an verdichteter Intensität nur so strotzende Version von "Close Your Eyes", welche nur wenig mit der vom selben Album entstammenden Studio-Version zu tun hat.

Nach einhundertzwanzig Minuten und - wenn man so will - drei Stücken ist das motorpsychedelische Jazzrock-Konzert zu Ende. Die Musiker verneigen sich ausführlich vor dem Publikum, obgleich sich dies gut und gerne auch hätte umgekehrt verhalten dürfen. Es fällt mir zunächst nicht ganz leicht, zu glauben, dass es das bereits gewesen sei, hatte ich die Bänd bisher noch nie unter zweieinhalb Stunden Spielzeit erlebt, doch sei ihnen der Feierabend nach dieser - in ruhig fließenden wie laut stürmenden Momenten - durchweg höchst intensiven Darbietung von Herz und Ohr gegönnt. Wir drücken uns noch etwas am Merch-Stand der Bänd herum, an welchem ich selbstverständlich fündig werde, bevor wir uns einigermaßen platt - aber glücklich - hinaus in die tröpfelnde Kölner Nacht entlassen...

23.04.12

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