MOTORPSYCHO
The Death Defying Unicorn 
(VÖ: 10.02.12 / Stickman)

 

...und wieder ein Album der fantastischen Bänd aus Norwegen, auf welchem sich die Musiker keinen Deut um jegliche Konvention kümmern. Diesmal tummeln sich die Herren ausgiebig im Bereich des orchestralen Jazz. Und das kommt noch nicht einmal richtig überraschend, denn es gab ja vor Jahren bereits Kollaborationen mit Jazzmusikern oder -bänds; festgehalten auf den Alben 'Roadworks Vol. 2' (2000) und 'In The Fishtank' (2003). Auch auf dem letzten Studioalbum, 'Heavy Metal Fruit' (2010), gibt es Brüche, in welchen die eine oder andere jazzige Anleihe gedeiht.

Nun liegt als Ergebnis einer weiteren sich mit diesem Bereich verknüpfenden Arbeit das Doppel-Album The Death Defying Unicorn vor. Der Untertitel lautet sehr treffend A Fanciful And Fairly Far-Out Musical Fable - und damit ist eigentlich schon alles gesagt:

Auf über 80 Minuten wird musikalisch eine ziemlich abgefahrene Geschichte lebendig. Textlichen Inhalts geht es, sehr verkürzt gesagt, um die Unicorn, ein Schiff, welches samt ihrer unglücklichen Besatzung ins Verderben fährt. Unterwegs passiert natürlich so einiges, und genau so verhält es sich eben auch mit den einzelnen Stücken, welche viele Wendungen machen, den Hörer durch furchterregende Stürme begleiten, ihn unter friedlichen Sonnenaufgängen pausieren lassen, bevor die nächste Wucht wirbelnd auf ihn einprasselt. Die Wucht kommt insbesondere von den unermüdlichen Motoren an Bass und Schlagzeug, nicht zuletzt natürlich auch durch den tiefen, durchdringenden Sound der Produktion. Derart sicher zementiert, verschmelzen typische Motorpsycho-Klänge mit jazzigen Orchestersounds, geschickt gespickt mit manchmal sacht sakral anmutenden Passagen, während akustische Gitarrenmomente ebenso wenig fehlen wie Streicherarrangements und verwirrende Bläsersätze - und immer wieder wird alles zusammengeführt, bis mit dem finalen "Into The Mystic" die fabelhafte Reise der von Beginn an zum Scheitern verurteilten, nun schließlich dem Tode ins Antlitz starrenden Männer, unter versöhnlich klingender Melodie in schönem, mystischen Nichts endet.

Nein, das ist keine weitere Neuerfindung einer immens kreativen Bänd. Dieses monumentale Werk ist eine schlichte Fortführung und weiteres Ausschöpfen des vorhandenen Potentials einer absoluten Ausnahme-Bänd. Es werden bereits vorgenommene Ausflüge wiederholt und konsequent fortgesetzt, dabei Grenzen ausgelotet und weiter gezogen - oder gleich ganz niedergerissen. Das alles geschieht in offenbar gezielt gewählter Kooperation sich gegenseitig beeinflussender Künstler, in diesem Fall mit STALE STORLØKKEN, einem norwegischen Jazzkeyboarder, dem TRONDHEIM JAZZ ORCHESTRA und TRONDHEIMSOLISTENE, einem klassischen Ensemble aus Norwegen, welches bereits mehrfach für einen Grammy nominiert war.

Sicher ist The Death Defying Unicorn nur bedingt ein Album, das man ständig und auf Dauerrotation hört. Dafür ist es schlicht zu lang, nicht grade unkompliziert und schon gar nicht eingängig und ohrwurmbehaftet. Auch ob es eine Platte für die Ewigkeit ist, weiß man zum Zeitpunkt recht kurz nach Veröffentlichung gewöhnlich noch nicht, doch stehen die Zeichen ziemlich deutlich, dass dem sehr wohl so sein könnte...

30.03.12

P.S.: Nicht vergessen, während des Hörens die Kinnlade immer mal wieder hochzuklappen, eine ausgetrocknete Mundhöhle kann sich äußerst unangenehm anfühlen...

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