The Animen    2.03.16 Mannheim, Jugendkulturzentrum Forum

 

Selten genug: Da gelangt mehr oder weniger zufällig die CD-Bemusterung einer noch relativ unbekannten Band aus dem französischsprachigen Landesteil der Schweiz in die Hände des allseits geschätzten Chefs dieser Website, wird von ihm ausführlich gelobhudelt (Anmerkung des Chefs: Link zur Belobhudelung am Ende dieses Textes) und einige Wochen später entdeckt der Autor dieser Zeilen einen Konzerthinweis auf das Erscheinen ebenjener Band in der Stadt, die er seinen aktuellen Lebensmittelpunkt nennt. Da sollte man dann vielleicht mal vorbeischauen und seine Chronistenpflicht erfüllen, dachte sich der Neu-Mannheimer so...


Dass letztendlich dieser Konzertabend nachhaltig in Erinnerung bleiben wird, lag dann nur zum Teil an der (nichtsdestotrotz ziemlich genialen) Live-Darbietung, sondern hauptsächlich an dem 'Gesamt-Rahmenprogramm' dieser etwas skurrilen Nacht.
Aber der Reihe nach: Bei leichtem Nieselregen und insgesamt eher ungemütlichem Spätwinter-Wetter begab ich mich auf die Suche nach dem Mohawk-Club im Industriehafengebiet. Doch da war schon mal - bis auf einige traurige Gestalten im Märzwind - rein gar nix los. 'Der Laden ist jetzt endgültig pleite.' 'Vom Finanzamt geschlossen..' Konzertverlegung', wurden ringsrum gemunkelt. Also den ganzen Weg wieder zurück Richtung Neckarpromenade, wo sich die Ausweich-Location, ein klassischer Jugendclub, befinden sollte. Irgendwann angekommen im Forum, das zu diesem Zeitpunkt mit vielleicht 10 Nasen eher suboptimal ausgelastet war, kam man bereits vor dem Konzert recht schnell mit den äußerst sympathischen Musikern von The Animen ins Gespräch. Von Gitarrist Guillaume Louis erfuhr ich, dass die Band an diesem Tag eine noch seltsamere Odyssee hingelegt hatte. Erst selbst einen Tag zuvor von der Mohawk-Schließung erfahren, war Plan B eigentlich die benachbarten 'Kulturbrücken', aber der dortige Verantwortliche wusste wohl von nichts. Nach hektischer Telefoniererei erbarmte sich kurzfristig dann eben das Jugendkulturzentrum Forum und ließ die Jungs spontan an- und auftreten.


Nach und nach füllte sich der Ort dann auch ein wenig. Als die Band gegen 21:30 loslegte, dürften es dann wohl insgesamt so knapp 40 Leute gewesen sein. Einige auf der Bühne waren da bereits etwas angeheitert, da die Schweizer auf der schmalen Getränkekarte ein solch exotisches Getränk namens Weißweinschorle entdeckten und das dann unbedingt ausgiebig probieren mussten. Der Performance tat dies im Übrigen keinen Abbruch, im Gegenteil. Als erstes fiel auf, wie unglaublich tight die vier Musiker zur Sache gehen. Dieses rhythmisch äußerst präzise Uhrwerk aus zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug mit zwischenzeitlichen Ausflügen ans E-Piano brachte dabei vom ersten Ton an das Publikum zum Tanzen. Und auch rein optisch gab es das volle Programm: Ein ziemlich überdrehter Sänger an der Gitarre, ein stoischer vor sich hin trommelnder Schlagzeuger, ein wissend - dauergrinsender Bassist und erwähnter Guillaume Louis an Gitarre und Keyboard als (mutmaßlich) kreativer Mastermind.


Die Musik ist zwar im Prinzip nicht sonderlich originell - Indie-Rock mit Sixities-Einschlag und großem Pop-Appeal – aber sie geht durchweg in die Beine und bildet gleichzeitig diverse Ohrwurmkolonien. Spätestens nach Song Nummer 3 waren alle Anwesenden in Bewegung und die hörbare Begeisterung wäre eigentlich einem dreimal so großen Publikum angemessen gewesen. The Animen haben den Laden an diesem Abend schlicht gerockt wie Hölle! Theo Wyser ist der geborene Frontmann, dessen Energie und Witz einfach mitreißen. Am Ende gelang es ihm sogar, den ganzen Laden zum Mitsingen zu animieren und die anschließenden Zugabe-Rufe erfolgten nicht minder kollektiv.
Der 'familiäre' Rahmen erwies sich dabei als ausgesprochener Glücksfall: Zwischen Publikum und Band entwickelte sich relativ schnell ein ziemlich direkter Draht, wobei man sich gegenseitig nicht nur verbale Bälle derart gekonnt zuspielte, als hätte niemand im Raum je etwas anderes getan, sondern sich abwechselnd auch immer wieder antrieb – zum Tanzen einerseits, zum Tempo hochhalten andererseits (Balladen-Vorschläge wurden von den Zuhörern einhellig abgeschmettert!).


Auch nach dem Konzert wurde noch ausgiebig gequatscht und es erwuchs der Plan, die Nacht doch noch in größerer Gruppe samt Band in irgendeiner Kneipe ausklingen zu lassen. Wegen arbeitstechnischer Verpflichtungen am nächsten Tag musste ich an dem Punkt aber leider aussteigen. Deshalb gibt’s an dieser Stelle auch keine Aftershow-Party-Geschichten, sorry.
Trotzdem: Ein sehr gelungener Abend, der die nassen Klamotten und sinnlosen Wege im Nachhinein vergessen machen konnte.

Martin 9.03.16

zur Belobhudelung hier lang

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