Woven Hand                                          16.04.11 Freiburg, Jazzhaus

 

Wenn mehrere Personen die gleiche Meinung zu etwas vertreten, dann hat das zwar meist den angenehmen Beigeschmack von Harmonie, doch kann dies auch gedankliche Einöde auslösen. Dem entgegen wirkte David Eugene Edwards am vergangenen Samstag, indem er einen Auftritt präsentierte, der die Meinungen der Zuhörer zu spalten wusste.

In Dreier-Formation betraten Woven Hand bereits um viertel nach acht die Bühne. An deren rechtem Rand saß der Sänger und Gitarrist, das Schlagzeug war hinten mittig platziert, am linken Rand verdingte sich der Keyboarder, der hin und wieder auch an einer kleinen Djembe percussiv aktiv war. Diese neuerliche Umbesetzung der Bänd brachte natürlich mit sich, dass die instrumentale Bestückung der Songs entsprechend angepasst werden musste. So waren ungewöhnlich viele Soundteppiche mittels Keyboard zu hören, die E-Gitarre durfte oft einfach nur klingen oder wurde zum Taktklopfen benutzt, übernahm insgesamt eher spärliche Rhythmusarbeit und wurde zu diesem Zwecke für wenige Male gegen eine Mandoline eingetauscht. Für die Melodien war fast ausschließlich die charismatische Stimme Herrn Edwards zuständig, welcher über zwei Mikros unterschiedlicher Soundfarben verfügte. Eine zweite Stimme zur Untermalung erhielt er hin und wieder vom Mann an den Keyboards.

Damit wurde das Schlagzeug zu einem sehr tragenden Instrument dieser zwischen indianischen Tribalklängen und sakralem Düster-Folk stets gratwandernden Vorführung. Passend hierzu die vereinzelten Schmückungen mit Federn, z. B. an der Bass-Drum, am Mikroständer oder gar in Mr. Edwards' blondem Haar. Die Stücke begannen meist sehr meditativ, steigerten sich dann häufig in hypnotische Räusche, von denen sie nach Belieben wieder zurück schwenkten oder eben just auf dem Höhepunkt endeten. Unverändert zu vorigen Gastspielen war hingegen die allzeit predigende Vortragsweise des Sängers, verbunden mit viel Gestikulation: seien es warnende Imitationen von Teufelshörnern per Zeigefingern, Andeutungen von sich-die-Arme-ritzen, das Verdecken der Augen oder eine kurze, grinsende Grimasse - man wähnte oft die Psychiatrie nicht weit. Die Zusammenfassung der Botschaft fiel während eines der letzten Stücke in den Worten "it's not your life to be taken - it's not your mind to be lost". Man sah und hörte also eine nicht grade im Vobeigehen mal so kurz konsumierbare Darbietung. Hierfür war für zuviel Dichte im Gesamtsound gesorgt und daneben ziemlich viel Message in die Musik gepackt. Und auch in den ruhigsten Momenten, als die Stimme zu spärlichem Klangteppich zu hören war, verstand es die Bänd hervorragend, eine ebenso mächtige Intensität auflodern zu lassen, wie bei den beschleunigt rockenden Anteilen des Sets.

Wieder einmal hatte man ein mit starken Eindrücken versehenes Konzert von Woven Hand sehen dürfen - mit leider nur einer Zugabe nach neunzig Minuten viel zu früh endend. Die Nachwirkungen dürften dabei noch etwas anhalten...

18.04.11

...und als quasi Anhang die originale Setliste:

Kicking Bird / Tin Finger / Sinking Hands / Elktooth / Holy Measure / Your Russia / Speaking Hands / Horse Head Fiddle / Chest Of Drawers / Kingdom Of Ice / Raise Her Hands / Winter Shaker // Off The Cuff

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Heißer Scheiß

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