The Rural Alberta Advantage     16.01.17 Berlin, Badehaus

 

Der letzte Abend eines sehr winterlichen Aufenthalts in Berlin war für den Besuch eines Konzerts vorbestimmt. Einen neugierigen Begleiter konnte ich als Mitstreiter für diese per Zufall ausgewählte Veranstaltung gewinnen und wir schlenderten an diesem bissig kalten Montagabend über die eisüberzogenen Wege des RAW-Geländes in Friedrichshain zur einer etwa vierhundert Menschen fassenden Lokalität namens Badehaus. The Rural Alberta Advantage aus Kanada setzten hier den Startgig ihrer einwöchigen Reise mit Stationen in Deutschland, England und Schottland.


Zunächst sah es aus, als würde gar nichts aus unserem Plan: Das Konzert der Bänd, von der ich nie zuvor gehört hatte, war ausverkauft. Doch die überaus freundlichen und bemühten Mitarbeiter an Tür wie Kasse rieten uns zu etwas Geduld, während drinnen der supportende, in Deutschland lebende junge Brite Xavier Darcy seine Songs auf der Klampfe zum Besten gab. Und wir mussten nicht allzu lange in der Kälte harren, bis uns're Geduld belohnt wurde und wir Einlass gewährt bekamen.

Auf der wärmeren Seite der Tür angekommen, fanden wir uns in einem länglichen Raum mit bunt bemalten Wänden und - bis auf zwei Durchgänge ganz vorne und ganz hinten - gänzlich von einer Theke durchzogen. Der parallel hierzu angelegte, etwas größere Raum links daneben war für das Konzert bestimmt, ein weiterer Raum, hinten rechts vom ersten, war als Smoking Area bestimmt, die wir nach kurzem Inspizieren des Solisten auf der Bühne, zuerst aufsuchten. Hier kam zum Vorprogramm auch der Bühnensound aus den Boxen, so dass die Nikotingelüste ohne allzuviel Verzicht auf die künstlerische Performance gestillt werden konnten. Der beim Spielen auf mich etwas hippelig wirkende Darcy präsentierte derweil seine letzten paar Stücke mit viel Erzählen dazwischen. Seine Sprechstimme unterschied sich dabei auffallend von der deutlich kräftigeren und gerne auch mal kratzigen Singstimme. Seine Art zu reden ließ sich unwillkürlich mit der eines kleinen, naiven Jungen assoziieren, was es mir schwer machte, ihm zwischen den Stücken zuzuhören und während der Stücke zuzusehen. Anyway, der junge Mann kam trotzdem recht sympathisch rüber und die drei oder vier Songs, die ich noch mitbekam, von denen mir der letzte besonders gut gefiel ließen sich auch auf Distanz gut hören, bevor die Bühne für das Trio aus Alberta umgestaltet wurde.


Um kurz nach zehn gesellten sich zwei Männer und eine Frau zu den sich nun auf den Brettern befindlichen Instrumenten; einem (vom Zuschauer aus) am rechten Bühnenrand stehenden Schlagzeug, dem Mikroständer für den Sänger mit akustischer Gitarre in der Mitte und daneben zwei Keyboards, von welchen eines hin und wieder vom Sänger bedient wurde, das andere, am linken Bühnenrand aufgebaute, der Keyboarderin gehörte.
Deren Spiel bestand darin, neben permanenter Beschäftigung beider Hände an den Tasten, außerdem mit strumpfsockigem rechten Fuß auf den Pedalen ihres Instruments für den Basssound zu sorgen. Sehr interessant, dies, musste sie somit doch das komplette, inklusive zweier Zugaben achtzig Minuten dauernde Konzert mit nur einem Standbein bewältigen. Der Gitarrist und Sänger hatte leider keinen guten Tag erwischt. Wie er zwischendurch erwähnte, war er gesundheitlich ein wenig angeschlagen, was sich immens unvorteilhaft auf seine Stimme auswirkte, die nicht selten kurz vor'm - mit Verlaub - abkacken war. Dazu kam, dass der Gesamtsound - Keyboards zu leise, Gitarre zu dünn - Luft nach oben gehabt hätte; der Sänger war nur allzu deutlich in den Vordergrund gemischt und bekam für meine Begriffe zu viel der akustischen Präsenz ab.


Dabei hätte er sich deutlich mehr Unterstützung bei der Bäckground singenden Keyboarderin holen können, die eine wirklich schöne Stimme hatte, sich aber leider ausschließlich auf wiederkehrende uuh-uuuh-uuuuuhs beschränkte. Am besten waren noch die dünn gesäten ruhigeren Momente des sehr rockigen Folk-Pop von The Rural Alberta Advantage, der in der Attitüde auch mal punkige, im Sound gelegentlich wavige Einsprengsel parat hielt. Bei den instrumentalen wie ruhigen Passagen konnte mir die Bänd dann auch am besten gefallen. Insgesamt sprang jedoch - weder bei mir noch bei meinem Begleiter - kaum wirklich ein zündender Funke über. Der weitaus größere Teil der Anwesenden schien nicht so kritisch - sie feierten die Kanadier zwar auch nicht über Gebühr ab, doch war durchaus Begeisterung hör- wie spürbar.


Diese war sicher nicht zuletzt auch der Rhythmik der Bänd geschuldet, denn der Part war wiederum überaus erfreulich. Zu größten Teilen verantwortlich hierfür zeigte sich der hervorragende Schlagzeuger, der aus einem fast minimierten Schlagzeug, bestehend aus einer Bass Drum, Snare, Becken, Hi-Hat und zwei Toms mindestens das Maximum herausholen, ja sogar überwiegend gewaltlos herausprügeln konnte.
So sorgte das Konzert bei mir zwar nicht für die ganz großen Begeisterungsstürme, markierte aber dennoch einen schönen Abschluss einer durchaus ereignisreichen Woche...

 

P.S.: Jetzt, da ich beim Schreiben via Soundcloud die Musik der Bänd in Studioversionen höre, wird sowohl das musikalische, wie auch das songschreiberische Können der drei wesentlich deutlicher, als dies bei der Live-Performance der Fall war - weshalb ich hier nun einfach einen Link setze, damit Ihr Euch selbst ein akustisches Bild malen könnt...

 

Und als P.P.S. eine Abschrift der Original-Setliste*:
One Love / MUSCLE / HAUNT / LUCI / Rocks / Runners / B. Mill / DEADROADS / TORN / W. Lights / solo? / Stamp / RUSH / BARNES / EDM / FRANK / SCARED / BRO / TERRIFIED / Build / Vulcan / DETH / ?

 

19.01.17

 

*Anmerkung der Redaktion:
solo? war eine vom Sänger allein mit gezupfter Gitarre vorgetragene Interpretation von Survivor's "The Eye of the Tiger" - ein eigentlich grauenhafter Song, der in dieser Version jedoch tatsächlich gut hörbar wurde); das letzte, auf der Setliste mit Fragezeichen versehene Stück, wurde vom Sänger als sein ältestes Stück namens "In the Summertime" angesagt...

 

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