The Decemberists                                  28.02.15 Zürich, Kaufleuten

 

Die Uhren gehen in der Schweiz ja ganz besonders genau. Beim samstäglichen Ausflug in die Metropole der Alpenrepublik konnte ich mich bei einem Konzertbesuch selbst davon überzeugen. Nicht so überzeugend scheint mir allerdings die Sache mit den Alpen, davon hab ich nämlich genau nix geseh'n - aber das ist eine andere Geschichte...

 Sei's drum, alpine Exkursionen waren ohnehin nicht primäre Intention der Reise, sondern eben ein Konzert. Dies begann denn auch punktgenau wie ein lokales Uhrwerk um viertel vor sieben - wie auf der Ticket-Reservierung angegeben. Leider ist mir der Name der supportenden Drei-Frau-Bänd komplett entfallen, wie übrigens auch deren Songs, die mich einfach nicht so richtig packen wollten. So vertrieben meine entzückende Begleitung und ich uns die Zeit im Fumoir, um - schwyzerpünktlich - zum Auftakt der Decemberists wieder im ausgesprochen hübschen Saal zu erscheinen. Unten war's ziemlich voll, möglicherweise war die elfhundert Menschen fassende Lokalität sogar ausverkauft. Oben, auf'm drei Seiten umgebenden Balkon hingegen konnte man mit ziemlich guter Sicht auf's Geschehen entspannt herumstehen. Und so erlebten wir die Inszenierung eines, ich nehm's vorweg, werte Damen und Herren, nicht weniger als großartigen Auftritts der Bänd aus Portland/Oregon.

 Zunächst betritt Colin Meloy alleine mit akustischer Gitarre die Bühne, um "The Singer Addresses His Audience", den Opener des aktuellen Albums, anzustimmen. Bereits dieser Moment verursacht angenehmste Gänsehaut. Nach und nach gesellen sich die sechs anderen Bändzugehörigen zu ihm, an Keyboards, Bass, Schlagzeug, Gitarre, Bäckgroundgesang. In der Folge werden Instrumentierungen immer wieder gewechselt und Glockenspiel, Banjo, diverse Gitarren, Kontrabass und verschiedene perkussive Werkzeuge kommen zum Einsatz. Der Schwerpunkt des Sets liegt deutlich auf den beiden letzten Alben, doch kommen selbstverständlich auch ältere Stücke nicht zu kurz, so dass ein an Abwechslung reicher Querschnitt aus dem gesamten Schaffen der Dezemberisten zu goutieren ist. Manch neuerer Song kommt dabei eins zu eins in der Albumversion ins Ohr, die älteren Stücke werden - dem aktuellen Sound der Bänd entsprechend - hervorragend integriert.

 Nach dem Opener das nächste ganz große Highlight - bei einem durchweg aus Highlights bestehenden Konzert - ist für mich "The Gymnast, High Above The Ground" vom betagten Album 'Her Majesty, the Decemberists'. Und war bis hierhin ein sehr gutes Konzert zu sehen, steigert es sich nun zum erwähnten großartigen. Auszüge aus den 'Hazards of Love' werden sessionverdächtig gespielt, ebenso wie 'The Crane Wife 1-3', um zwischendurch hitverdächtige Stücke wie "Make You Better" oder "Rox in the Box" einzufügen. Sehr geil, das!!

 Zwischenzeitlich verliert Colin Meloy gerne ein paar Worte zu den Songs oder gibt gekonnt den Animateur. Obwohl ich Mitmachteile bei Konzerten nur begrenzt mag, halte ich gerne fest, dass er dies auf eine sehr kreative Weise tut, indem er etwa das Publikum per Klatschen perkussive Anteile eines Songs übernehmen lässt. Oder den Gitarristen Chris Funk durchs Publikum schickt, der dieses in zwei Hälften teilt, woraufhin Meloy aus der Gasse eine freie Fläche entstehen lässt, in welche er ein paar Handvoll Leute dirigiert. Diese symbolisieren nun, so lässt der Dirigent verlauten, die Schweiz. Die Umstehenden wiederum, na klar, die EU. Dann lässt er Schweiz und EU sich gegenseitig anbrüllen bzw. ansingen. Pikanterweise findet dies während "16 Military Wives" statt. Sehr amusing, das!!

 Mit "A Beginning Song", dem Schlussstück der aktuellen Platte 'What A Terrible World What A Beautiful World', endet das reguläre Set nach neunzig Minuten und die Musiker erhalten mehr als verdienten Applaus. Es dauert nicht lange, kommt die Bänd auch schon zurück, um den bisher erlebten Glanzlichtern noch eins draufzusetzen. Zunächst wird mit "June Hymn" gemächlich der knapp dreißigminütige Zugabenteil eröffnet, dem umgehend eine ebenso ausufernde wie grandiose Darbietung des "Mariner's Revenge Song", von 'Picaresque', dem meiner Meinung nach besten Album der Bänd, folgt. Die Musikerinnen und Musiker versammeln sich hierzu in einer Reihe auf der Bühne und lassen stark an ein Theaterensemble denken. Herr Meloy nimmt auch hier das Publikum mit ins Boot, welches den Furchtschrei an der dramatischsten Stelle des Songs (und nicht nur hier) übernehmen darf. So endet das Konzert exakt an dem Punkt, wo es ohnehin nicht mehr zu toppen wäre.

Wie nicht anders zu erwarten, setzt bereits wenige Minuten nach Konzertende das Phänomen der gegenseitigen Jagd soeben live gehörter Ohrwürmer ein, wobei der eine den nächsten zu übertrumpfen sucht, während wir uns tapfer durch den Dschungel der nächtlichen Zür'cher Straßen kämpfen...

 

5.03.15

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...anbei die recherchierte und für valide befundene Setliste:


The Singer Addresses His Audience / Calamity Song / Rox in the Box / Here I Dreamt I Was an Architect / Better Not Wake the Baby / The Wrong Year / The Gymnast, High Above Ground / A Bower Scene / Won't Want for Love (Margaret in the Taiga) / The Rake's Song / Down by the Water / Make You Better / 16 Military Wives / The Crane Wife 1 & 2 / The Crane Wife 3 / A Beginning Song // June Hymn / The Mariner's Revenge Song

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