Telekinesis                          4.11.10 Freiburg, Flight13/Swamp

 

Wenn zwei Menschen, die einen großen Teil ihrer Zeit gemeinsam verbringen, einander immer ähnlicher werden, kann dasselbe dann auch auf Musiker zutreffen, die intensiv zusammenarbeiten? So sehr erinnerte mich die Stimme Michael Benjamin Lerners zeitweise an Death Cab For Cutie, dass mich diese Frage während der Heimfahrt vom Konzert ganz schön beschäftigte. Deren Gitarrist Chris Walla nämlich produzierte das bisherige Output von Lerners Projekt Telekinesis, von deren Live-Tugenden ich mich innerhalb weniger Stunden gleich zweimal überzeugen konnte.

Am Nachmittag hängte sich der junge Mann aus Seattle zunächst im one-and-only-Plattenladen meiner Wahl die Akustik-Gitarre um und spielte eine Hand voll schöner kleiner Songperlen für zwei Hände voll Zuhörer. Fast ein bisschen verloren wirkte der leicht verhuscht scheinende Rotschopf dabei, was der Qualität seiner mit klarer, hoher Stimme vorgetragenen Liedern keinen Abbruch tat. Meine Kleinigkeit hatte im Laufe des hübschen Kurzgigs jedenfalls genügend Blut geleckt, sich am Abend auf den Weg ins Swamp zu machen, um ihm dort ein weiteres Mal lauschen zu können.

Ich erreichte die proppenvolle Kneipe kurz nach Beginn des Sets der nunmehr auf drei Köpfe angewachsenen Bänd. Gar nicht mehr verhuscht saß der Sänger jetzt am Schlagzeug, inmitten des Bassisten sowie eines Gitarrenspielers recht aufgeweckt mit den Stöckchen wirbelnd. Gesanglich hin und wieder umgarnt von seinen Mitstreitern, fröhnten die drei ganz dem Indie-Rock, gestrickt aus tanzbaren Rhythmen, geschickt arrangiert und gut nach vorne gehend. Dazwischen waren gelegentliche Strähnchen weezer-esker College-Refrains eingefügt - fertig war die Wohlfühlmusik!!

Nicht verzichtet wurde auf das Einflechten einiger Solo-Stücke an der akustischen Gitarre, dazu Coverversionen von Guided By Voices oder Teenage Fanclub, welche hervorragend zu den Eigenkreationen passten und die Darbietung somit rundum abwechslungsreich und dynamisch gehalten war. In gelegentlichen Ansagen drückte der mehr und mehr auftauende Sympath häufig seine Freude aus, hier spielen zu dürfen, ließ außerdem des öfteren in Ansagen verlauten, den jeweiligen Song noch nie live gespielt zu haben und widmete gar ein Stück dem nachmittäglich beehrten Vinylfachgeschäft.

Recht angetan zeigte sich die Bänd derweil vom bewegten Publikum und tat auch dies immer wieder gerne kund. Umgekehrt verhielt es sich natürlich genauso, entsprechend schwer hatten es Telekinesis, sich nach einer guten Stunde zu verabschieden, nicht ohne - beinahe um Entschuldigung bittend - mehrfach darauf hinzuweisen, nun restlos alles gespielt zu haben, was sich im Repertoire dieser Besetzung befände.

Der Spaß wob sich also lückenlos durch beide Seiten der Bühne, und da ich aus kaum nachvollziehbaren Gründen versäumt hatte, mir vor Ort ein kleines Andenken in Form einer brandaktuellen 10"-EP mitzunehmen, trat ich bereits am nächsten Tag erneut den Weg in oben erwähntes Ladengeschäft an...

 6.11.10

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Heißer Scheiß

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