SPIDERGAWD                            22.03.17  Frankfurt, Nachtleben
Support: Woodland


Hübscher Laden, dachte ich, nachdem ich im am Rande der Frankfurter Altstadt gelegenen Club namens Nachtleben angekommen war. Oben Kneipe, die Treppe runter im Keller ist der gut 150 Personen Platz bietende Konzertraum situiert. Ich nahm nach kurzem Umsehen auf dem in den Raum führenden Treppenabsatz, hinten neben dem Mischpult, Platz; wobei hinten hier keine zehn Meter von der Bühne entfernt war und einen ausgezeichneten Standort abgab, sowohl das Bühnengeschehen wie auch den Saal zu überblicken.

So konnte ich pünktlich ab neun Woodland begutachten, ein Quintett aus Trondheim, bestehend aus einem Gitarristen, einem Schlagzeuger, einem Keyboarder, einem Sänger an der halbakustischen Gitarre, die er fast durchweg mit Bottleneck bespielte, sowie Hallvard Gardlos am Kontrabass, der für beide Bänds des Abends am Viersaiter zugange war. Ziemlich amerikanisch eingefärbt klingt die Musik der scheinbar noch recht jungen Männer, tief im Blues verwurzelt und dabei in zeitgemäßem Sound interpretiert. Eigentlich ganz geil - wäre da nicht der mich schon vor ein paar Wochen, beim Hören des aktuellen Albums 'Go Nowhere', irritierende Klang der Stimme. Nicht, dass die schlecht wäre, keineswegs, kann der Mann auch singen. Nur hat er ein stimmliches Timbre, das mich so permanent wie unwillkürlich an Led Zep's Robert Plant denken lässt. Nun, Stimmverwandtschaft mit legendären Sängern ist sicherlich nicht per se schlecht, nur ging für mich in diesem Fall leider schnell eine gewisse Eigenständigkeit flöten. Doch sei's drum - Spaß gemacht hat mir der Auftritt trotz der Irritation. Besonders vom ziemlich groovig rockenden Mittelteil des dreißig Minuten währenden Sets war ich recht angetan. Eine durchaus gelungene Einstimmung auf Spidergawd...

Der Umbau mit der gewohnt zentralen Bühnen-Positionierung des Schlagzeugs ging recht fix, nur gut zwanzig Minuten vergingen zwischen den letzten Klängen von Woodland und Per Borten's Begrüßung - Hallo! (kurze Pause, Blick in die Crowd) - Wie geht's? - worauf die Bänd sogleich zur Single des aktuellen Albums als Opener einleitete. Zu meiner Überraschung sang jedoch nicht er, sondern Hallvard Gardlos - der im Übrigen am elektrischen Bass deutlich agiler als zuvor agieren konnte und dies erfreulicherweise auch schier unermüdlich tat. Über die Neuerung am Mikro kann ich nur mutmaßen, ob dies der stimmlichen Entlastung des angestammten Sänger diente, der auch im weiteren Verlauf des Auftritts den einen oder anderen Lead-Gesang dem Basser oder gern auch Rolf Martin Snustad übertrug - auch der Woodland-Sänger erhielt gegen Ende hin, ich glaube es war bei "I am the night", einen Gastauftritt und klang dabei so gar nicht mehr nach Robert Plant. Und die Sangesvariationen haben keineswegs geschadet. Sie sorgten nurmehr für weitere Dynamik und Abwechslung im vor Energie und Spielfreude bis zum Bersten geladenen Spidergawd-Auftritt.

Überhaupt wirkte das Quartett eingespielter denn je und bildete über die knapp eine Stunde und vierzig Minuten Spielzeit eine wahrlich beeindruckende Einheit.
An Highlights hervor stachen für mich insbesondere das ausführlich von Rolf Martin - Mr. Sax!! - Snustad eingeleitete "The Inevitable" - nachdem selbiger zuvor großartig "Get Physical" gesungen hatte, außerdem die ausgedehnt dargebotenen "Lighthouse" und "Stranglehold" sowie das von Borten zunächst alleine mit Gitarre bluesig angestimmte "... is all she says" unmittelbar vor dem finalen Stück, dem unbestrittenen Ohrwurm des aktuellen Albums (...und bislang mutmaßlicher Song des Jahres 2017...), "Is this Love?" - und überhaupt war das ganze Konzert ein einziger, geiler Kracher!! Und das obwohl der Sound nicht so richtig gut war, eher grade noch okay, was möglicherweise der recht niedrigen Raumhöhe geschuldet war. Da konnte Kenneth Kapstad, - der sich zwischendurch immer wieder gerne erhebt und den Leuten zuprostet oder zunickt, .... oder beides -, bequem die Decke im Stehen mit der Hand erreichen.

Einmal mehr wurde deutlich, was das Besondere dieser Bänd ausmacht: Die begnadete Kombination der Instrumentierung aus dreckig fetter Gitarre und ebensolchem Gesang, mit ordentlich Dröhnung treibender Bass, dazu den fettesten und rockigsten Saxophonsound ever und ein unglaublich wirbelnder, punktgenauer Schlagzeugmotor hinter diesem blueslastigen Hard'n'Heavy-Rock, der auch zeitweilige Ausuferungen nicht scheut und bei dem sich songtechnisch eine Melange von vermeintlich Schlichtem mit vermeintlich Komplexem vollzieht. Der spürbare Spaß der Musiker hieran übertrug sich von Beginn an aufs Publikum, das von der Bänd tatsächlich müde gespielt wurde...

Nach diesem akustischen Wirbelsturm genoss ich auf dem Heimweg zu meiner Unterkunft die nächtliche Stille eines menschenverlassenen Platzes bei einem Bier, während mir der letzte Song des ganz ohne das übliche Zugabenspiel auskommenden Konzerts, "Is this Love?", nicht mehr aus dem Ohr wollte und die Bänd vor meinem inneren Auge munter weitertobte...
Was für ein geiles Konzert!!

 

24.03.17

 

P.S.: Übrigens konnte ich noch die unten im Drumset versteckte Setliste Herrn Kapstads ergattern, welche ich für Euch, liebe Leserschaft selbstverständlich und artig abgeschrieben habe:
Intro / What you have / Tourniquet / Crossroads / Best Kept S. / 4 in the Hole/Made / Get Physical / Inevitlable / Stranglehold / Heart of the Sun / I am the night / No mans land / ...is all she says / Is this love


P. P. S. :
Die Bänd im Netz hier und zum Sehen+Hören da

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