Prong                    15.08.19 Mannheim, 7er-Club Open-Air

 

Wem auch immer ich erzählte, dass ich einen Live-Auftritt von Prong zu besuchen gedenke, fragte entweder, ob das die Prong aus den Neunzigern? seien, ob es die noch gibt? oder ob das die mit "Snap Your Fingers, Snap Your Neck"? seien. Jawohl!! Alles richtig!! Dabei gebe ich gerne zu, dass, als ich gefragt wurde, ob ich mitkommen möchte, mir auch nicht viel mehr dazu einfiel. Außer noch, dass genannter Song in den Neunzigern in der Katakombe, der damaligen Indie-Disco meiner Wahl, stets gesetzt war und zu wildem Kopfnicken animierte; außerdem, dass ich mir irgendwann mal eine billige CD vom Album 'Cleansing' zugelegt hatte, die seither halt so im Regal herumsteht. Ach ja, und Hälse sind - nach meiner Erinnerung - auf der Tanzfläche niemals wirklich abgeschnippt...

Sehr passend zum untergrundigen Status der Bänd lag der kleine, dreihundertfünfzig Menschen fassende Club in einem Industrieareal der Kurpfalzmetropole. Hinten, im Hof des Clubs, hatten etwas mehr Menschen Platz als drinnen und es herrschte bei unserer Ankunft unterm überwiegend aus Metal-Heads bestehenden Publikum eine angenehm entspannte Atmosphäre. Die supportenden All Hail The Yeti starteten ihr Set pünktlich um zwanzig Uhr. Deren Sänger, der optisch und stimmlich nicht eben wenig an einen gewissen Henry Rollins erinnerte, wurde ergänzt durch Lead- wie Bäcking-Vocals des Bassisten, was den doch recht 90er-Nu-Metal-lastigen Sound des Quartetts im Lauf der guten halben Stunde einigermaßen annehmbar machte. Insgesamt wars nicht so mein Ding, aber als Support und ohne in die Länge gezogene Spielzeit, doch irgendwie passend.

Um neun betraten dann Prong die Bühne, um, wie Sänger und Gitarrist - außerdem Mastermind und einzig verbliebenes Gründungsmitglied der Bänd - Tommy Victor - beiläufig in einer seiner sehr häufigen Ansprachen ans Publikum kundtat, den 25ten Geburtstag ihres oben erwähnten, fünften und bis heute erfolgreichsten Albums zu feiern. Das taten sie mit ordentlich Wucht!! Hatte ich im Vorfeld noch die leise Befürchtung, dass ich die meiste Zeit auf den Hit warten würde, war diese bald zur Seite und vom Tisch gewischt. Von Beginn an zeigte sich das New Yorker Trio äußerst spielfreudig; insbesondere Herr Victor, der in seiner Optik und seinem Auftreten etwas Glenn-Danzig-Aura versprühte, hatte hierzu häufig ein selbstbelustigtes Grinsen im Gesicht. Dies brachte den U.S.-Amerikanern, die dem Genre des Hardcore- bzw- Groove-Metal zugerechnet werden, ziemlich bald meine Sympathien ein und ich amüsierte mich gut im Laufe der knapp anderthalb Stunden (inklusive einer Zugabe).

Zwar waren bei Prong auch keine gesanglichen Höchstleistungen zu hören, ebenfalls hatte das Set für mich zwischendurch kleine Längen zu verzeichnen. Nicht zuletzt ging die musikalische Dynamik hin und wieder den allzu eifrigen Ansagen des Sängers - stets unterlegt von fiepender Feedbäck-Gitarre - geschuldet flöten; doch waren die Texte mit ihrer häufigen Ein- bis Zweizeilerkürze umso einprägsamer: This Life - is only a Test -- in steter Wiederholung -- wäre ein Beispiel. Oder Pick up the broken Pieces / Pick up the broken Peace -; wobei Letzteres übrigens eins der songlichen Highlights des Abends darstellte. Außerdem konnten mich der felsentrocken klingende, rostigdüstere und nicht weniger als tonnenschwer im Raum wallende Gitarrensound begeistern; nicht weniger gefielen mir die ebenso filigranen, schnell und/oder steinhart gespielten Soli Victor's. Sehr geil, das!! Der durchweg gute bis sehr gute Sound - bei aller nötigen Lautstärke - rundete das Live-Erleben bestens ab. Das Gros der gespielten Songs entsprang, entsprechend der Ansage, schließlich dem zelebrierten Album, welches ich mir beim Tippen dieser Zeilen exakt zum zweiten Mal in voller Länge und tatsächlich mit Genuss anhöre.

So habe ich an diesem schön lauen Abend eine Bänd gehört und gesehen, die ich bislang für ein wenig relevantes One-Hit-Wonder in meinen Gedächtnisspiralen gespeichert hatte, jetzt aber mit ganz anderen Öhrchen höre. Somit bewahrheitete sich wieder einmal eine alte Musikfän- (oder -kritiker?)-weisheit, dass ein gelungener Auftritt einer Bänd für Rezipientinnen und Rezipienten eine Art unsichtbares Bezugs-Band herzustellen in der Lage ist...

Nach meiner Recherche lautete die Setliste wie folgt:
Unconditional / Lost and Found / Beg to Differ / For Dear Life / Cut-Rate / Ultimate Authority / Prove You Wrong / Rude Awakening / Cut and Dry / Revenge...Best Served Cold / Test / Another Worldly Device / Broken Peace / Whose Fist Is This Anyway? / Snap Your Fingers, Snap Your Neck // However It May End

20.08.19

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