NOMEANSNO                                        14.11.10 Freiburg, Atlantik

 

Viele kleine schlaue Wörterbüchlein gibt es mittlerweile. Bevorzugt tauchen sie in gelbem Einband auf, mit dickem blauem L vorne drauf. Und sollen das Verständnis, beispielsweise zwischen Angestellten und Vorgesetzten oder Inhabern unterschiedlicher Geschlechter, einleuchtender machen. Denn Verstehen ist offenbar nicht leicht, wie mir scheint. Dabei könnte es ganz simpel sein: wenn ich etwas will, sage ich ja, wenn nicht, nein. Und dann sollte es auch genau das bedeuten. Ist doch einfach, oder nicht? Quasi hippel-hoppel-easy-peacy-kinderleicht!! Nicht ganz so einfach wiederum ist die Musik einer Bänd aus Vancouver, welche als Namen eine schlicht wie schlüssige Aussage trägt: No Means No.

Am Sonntagabend gaben diese eines ihrer raren Gastspiele. Gut besucht und entsprechend aufgeheizt war das Atlantik, als ich grade zum Ende der Vorbänd Pack AD in der Kneipe eintraf. Gegen viertel nach zehn betraten die drei leicht angejahrten Kanadier ("how fucken old...?") die Bühne und starteten nach kurzem Geplänkel des Schlagzeugers John Wright - mittels Worten sowie streicheln des Drumkits - ihr Set. Das erste Stück schleppte sich noch ein wenig, als mochten die Herren erst ein wenig warm werden, bevor sie richtig in die Vollen gingen. Dies taten sie in den folgenden etwa eindreiviertel Stunden mehr und mehr, mit spürbarem Spaß und reichlich Schweißflussgarantie für Publikum wie Musikanten.

Die präsentierten Stücke beinhalteten häufige Tempowechsel, waren mit gelegentlich ruhigeren Passagen gespickt, um kurz danach voll auf die Zwölf loszuhauen, sich dann wieder in druckvoll rhythmischen Schlagzeug-und-Bass-Passagen zu vergnügen oder hin und wieder sogar eine das Ohr wurmende Melodielinie preiszugeben. Beinahe greifbar war die unbändige Energie, die von den Brettern aus mit fast beiläufiger Leichtigkeit durch den Raum geblasen wurde. Am meisten Eindruck konnte mir das Bassspiel Rob Wrights einstanzen. Dieser bediente sein Instrument häufig wie eine Gitarre; so mancher Spieler des Sechssaiters würde wohl ein Bein für das Vermögen geben, seine Finger derart über das Griffbrett flattern zu lassen. Solch beachtliches Geschick machte bei der finalen Zugabe die Gitarre gar völlig überflüssig, so dass Tom Holliston, der dritte im Bunde, als einziges Instrument seine Stimmbänder einzusetzen hatte.

Zum Verschnaufen gab's gelegentlich selbstironisch-humorige Ansagen, bevor es weiter ging mit dem jazzähnlich komplexen Hardcore-Sound des im vierzigsten Jahr bestehenden Trios der Gebrüder Wright. Meine persönlichen Highlights waren, neben erwähntem Abschlusssong, die einzigen mir bekannten Stücke "Now" (übrigens recht ausufernd als vorletztes Stück gespielt), etwas früher im Set das unglaublich dynamische "Humans", sowie ein mir leider nicht bekanntes Stück, bei welchem Rob zum Ende hin fast schon mantra-artig immer und immer wieder die Worte 'Black is White' wiederholte, als habe er sich grade selber hypnotisiert...

Ein besonders während ruhiger Passagen schön klarer und auch sonst guter Sound ohne über die Maße aufzudrehen, rundete das Live-Erlebnis sehr angenehm ab, so dass der Auftritt von Nomeansno sicher zu den besonderen in einer Konzertgängerkarriere gezählt werden darf.

16.11.10

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