Mutter                                              22.10.11 Freiburg, White Rabbit

 

Für die einen ein unbeschriebenes Blatt, für die anderen eine Legende: Mutter aus Berlin. Ich selbst gehöre natürlich zu ersteren, wurde aber letzten Samstag sanft in den Keller des Hasen geschubst, auf dass sich dies kleine Manko der spezialisierten musikalischen Allgemeinbildung ändere. Zumal es sich bei dieser Formation um eine der wenigen handelt, die sich zeit ihres Bestehens nie um irgendwelche Moden oder Marketingmaßnahmen gekümmert haben, somit dem do-it-yourself-Charakter des Ur-Punk treu bleiben konnten und wohl gerade deshalb noch immer Bestand haben¹.

Als ich mit drei Begleitern die mit sechzig bis siebzig meist sogenannten mittelalten Menschen besuchte Lokalität betrat, war das erste Stück gerade am Rollen. Die Stimmung war entspannt, von der Bühne drang insgesamt recht angezerrter Sound durch das Gewölbe. Wie Frontmann Max Müller so dastand, erinnerte er mich zunächst entfernt an einen gewissen Jim Morrisson: die spindeldürre Statur auf den Mikroständer gestützt, das Gesicht durch die Haare umrahmt bis zur Unkenntlichkeit, dabei das Mikro so fest umklammernd, als wäre dies sein letzter Halt auf dieser Welt. Um ihn scharten sich ein stoisch groovender Bassist, ein verspielter Gitarrist, ein Keyboarder, der die Stücke häufig kühl atmosphärisch ausstaffierte, sowie der gerne mit den Stöckchen wirbelnde Schlagzeuger Florian von Gustdorf - übrigens neben Müller einzig verbliebenes Gründungsmitglied der seit nunmehr 22 Jahren existierenden Bänd. Leider konnte man die Texte nicht verstehen, welche, untermalt von bevorzugt düsterem, ziemlich illusionsbefreit klingendem Sound mal melancholisch zweifelnd, mal mit wütender Aggression vorgetragen waren. Musikalisch bewegten sich Mutter zwischen schwerem Rock, wavig-experimentellen Klängen und gelegentlichen Noise-Trips - insgesamt schwer einzuordnen, hierbei jedoch angenehm eigenwillig und sehr präsent.

Als gutes Zeichen nahm ich nach Ende des Auftritts, dass ich nach der einzigen Zugabe gerade mal eine knappe Stunde Spielzeit vermutet hatte, es nach Blick auf die Uhr jedoch gut fünfundsiebzig Minuten gewesen waren, in welchen die Bänd ihre Musik durchweg für sich hatte sprechen lassen, ohne auch ein einziges Wort außer den gesungenen an die Anwesenden zu richten. Somit kann ich also abschließend notieren, eine sehr in sich stimmige Performance erlebt zu haben, keine ganz leichte Kost zwar, doch die hatte ich an diesem trüben, feuchtkalten Herbstsamstagabend von den Berlinern weder erhofft noch erwartet...

¹ näheres unter www.muttermusik.de

und/oder

http://www.intro.de/platten/kritiken/23049448/max-mueller-die-nostalgie-ist-auch-nicht-mehr-das-was-sie-einmal-war

27.10.11

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