www.pandys-corner.de Musikalischer Jahresrückblick 2025

PÄNDYS MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK
ZWANZICHFÜMUNZWANZICH

 

Ein weiteres Jahr ist an seinem fairen Ende angekommen und ich habe artig die Halswirbel bemüht, um auf mein musikalisches Geschehen der letzten zwölf Monate zu blicken. Wie in vorigen Jahren bemerke ich auch diesmal, dass ich vermehrt in meinem bereits vorhandenen Fundus stöbere, mich von schön in Regelmäßigkeit eintreffenden Promo-Alben überraschen lasse, sich die physische Sammlung langsamer vermehrt. In der Tat habe ich vermutlich sogar, ich hab nicht gezählt, erstmals mehr Alben digital gekauft, als auf LP oder CD. Das lag allerdings schlicht an einem einzigen, recht umfangreichen Rundumschlags-Kauf infolge von bestimmten Live-Erlebnissen – doch dazu später.

Was mir beim Halswirbelsäulendreh unmittelbar ins Auge der Erinnerung fällt, sind jedoch nicht nur zahlreiche Besuche von Live-Konzerten, sondern die dabei recht hohe Zahl musikalisch und stilistisch ungewöhnlicher Konzerte, bei welchen ich mehr oder minder merkwürdigen Klängen lauschen konnte. Manche davon waren zudem verbunden mit schönen Ausflügen in ausgesprochen hübsche Wohlfühl-Lokalitäten. Gar nicht zu reisen hatte ich zum ersten besuchten Konzert, das fand im hiesigen Slow Club statt und hinterließ gleich ein wenig Verwirrung, ob der knapp einstündigen Solo-Performänce JOSEF VAN WISSEM’s an der Laute. Etwas verstörend war dieser sehr eigenwillige Auftritt für manch Hörende, mir blieb er in jedem Falle mit Nachhall im Gedächtnis und war rückblickend vielleicht sowas wie der Auftakt einer Reihe Konzerte mit merkwürdigen Sounds.

überhaupt, fällt mir außerdem auf, besuchte ich so einige coole Konzis im Slow Club. Viel Noiserock war dabei zu goutieren, etwa mit PAMPLEMOUSSE oder PÈNICHE, beide früh im Jahr, während mich später unter Anderen TO YO aus Tokio dort mittels psychedelisch krautigem Rock, mit gelegentlich japanischen Anstrichen, für die Hördauer schön verreisen ließen.

Ja, und einmal durfte ich gar selber von der Slowie-Bühne aus lärmen, nachdem der rote Vorhang geöffnet war – mit den kwasi post-sub-legendären mOnsterpunk, YESSS!! Und danach endlich wiedermal die regionalen Legenden DIE DIE DIE ENTEN SUCHEN goutieren. Lecker!! Jetzt aber genug der langen Vorrede mit ersten Spontanmemoiren, besser doch mal einigermaßen angemessen chronologisch dem gefühlt immer rascher raspelnden Zahn der Zeit folgend – kurz: der Reihe nach – durchs weggetröpfelte Jahr und das, was noch am meisten im Gedächtnis oder Ohr präsent ist:

Nicht immer ganz einfach zu hören, aber doch immer hörenswert sind THE NOTWIST. Die ließ ich mir Anfang Februar im Festspielhaus Baden-Baden auf der Hinterbühne im Rahmen des Takeover-Festivals nicht entgehen. Auch wenn der Einlass im alten, üppig dimensionierten Gebäude nicht ganz einfach war, das Konzert der vierköpfigen und auf der Bühne stets zum vielköpfigen Kollektiv wachsenden Bänd war auch in der Kur- und Zockstadt so ziemlich erste Sahne und gut im Gedächtnis!! Nach sehr langer Abstinenz konnte ich zwei Wochen danach endlich mal wieder OLDSEED live erleben und ließ es mir nicht nehmen, nach dessen tollen Auftritt im Slow Club eines seiner mir noch fehlenden Alben, Bloom/Burn, doch gleich mitzunehmen. Allerdings war ich, wieder nur wenig später, mit dem neuerlichen Doppelalbum von MOTORPSYCHO, diesmal schicht mit motorpsycho selbstbetitelt, ausgiebig beschäftigt. Nach den beiden kürzeren, songorientierten, nun wieder ein umfassenderes Werk; sowohl mit kurzen, charming Songs mit Hitcharakter, als auch mit längeren bis langen Stücken gleicht das Album geradewegs einer Werkschau mittels neuen Kompositionen. In jedem Fall: Sehr geil!! Da gingen mir die fast zeitgleich mit Tutti Frutti um die Ecke krachenden PIGHOUNDS ein wenig drin unter.

Im März hörte ich nach einem Kinobesuch des sehr sehenswerten Films Köln 75 mal wieder ausgiebig The Köln Concert von KEITH JARRETT – meines Erachtens eines der besten Musikstücke ever. Der Film erzählt die Geschichte der jungen, zielstrebigen und furchtlosen Veranstalterin dieses legendären Konzerts, Vera Brandes, ohne die der Auftritt niemals zustande gekommen wäre. Außerdem wird in Nebensträngen Zeit- und Jäzzgeschichte erzählt, werden soziale Verhältnisse zu jener Zeit aufgezeigt und es wird der Künstler skizziert, der mit diesem improvisierten Konzert Musikgeschichte geschrieben hat. Achja, ein anderer Film des kalten Frühjahrs mit Bezug zur musikalischen Kunst, Like A Complete Unknown, weniger informativ als vor allem unterhaltsam, ließ mich nach dem Kinobesuch wieder manch DYLAN-Klassiker hören…

Ein mich nachhaltig sehr beeindruckendes Erlebnis im März war mein erstmaliger Besuch der Villinger MPS-Studios zum Konzert des mir seit geraumer Zeit und zunehmend ans Herz wachsenden Trios FIRE! aus Schweden. Die haben wohl allerspätestens an diesem Abend in meinem kleinen Kosmos Musikgeschichte geschrieben und nicht nur mich ganz schön weggeblasen!! Das war Outständing!! Ziemlich gefläsht hat mich auch das Album Kids von AKa Rinde, einer Hälfte der mir klanglich noch immer unbekannten Bänd DŸSE. Leider hab ich es versäumt, mir das Konzert einen Monat nach Veröffentlichung des Albums in der Alten Hackerei in Karlsruhe anzugucken. Um den Termin, so Mitte Mai, war nämlich Einiges geboten: Gleich zwei Mal kam ich in den Genuss meiner Alltime-Lieblingsbänd, erstmals mit einem ihrer ohnehin stets fabelhaften Auftritte zu Gast im hiesigen Jazzhaus, dem die Performänce eine Woche später in der Manufaktur in Schorndorf in nichts nachstand. Und kurz nach den alten Helden war der tolle Auftritt des PAULEPROJEKT im Rahmen des mir bis dato völlig unbekannten About Pop-Festivals ins Stuttgart. Da war also echt was los, im Wonnemonat…

Nicht vergönnt war mir im Frühsommer hingegen der Auftritt des CASPAR BRÖTZMANN MASSAKER. Deren im Juni erschienenes Album It’s a love song, ziemlich nahtlos anknüpfend an Brötzmanns Solo-Album des Vorjahres, dürfte live noch wesentlich mehr an Wucht entfaltet haben, als im heimischen Gefilde. Dafür kam ich in den Genuss eines Auftritts von AVISHAG C. RODRIGUES, einer Multiinstrumentalistin aus Tel Aviv, mittlerweile beheimatet in New York, die mit Gitarre, vielen Effektgeräten und Unterstützung vom Schlagzeug einen sehr geilen Slow-Club-Auftritt hinlegte!! Kurz bevor das Jahr dann rüber in die zweite Hälfte kippte, gabs in Wiesbaden das SOUND OF LIBERATION Festival, wo ich in den Sounds von Brant Bjork, King Buffalo, My Sleeping Karma und Daily Thompson lauschen durfte. Dort hätten auch THE GREAT MACHINE ganz hervorragend hingepasst, deren Album Working Class Anarchist im September das Licht der Plattenläden erblickte, das mir nach wie vor immer mal wieder in den Player fällt.

Im Sommer hörte ich außerdem, ausgelöst durch den nicht sehr überraschenden Tod von OZZY OSBOURNE, natürlich viel von dessen Werken. Solo und Black Sabbath – na klar!! Definitives Highlight des wettermäßig eher durchwachsenen Sommers – und sicher ein Jahreshighlight – war jedoch fraglos der glänzende Auftritt des HEDVIG MOLLESTAD TRIO in Villingen, wo ich mir das im Mai des Jahres veröffentlichte aktuelle Werk Bees In The Bonnet, mitsamt Unterschriften, per Kauf aneignete. Auch auf Albumlänge ganz große Klasse, was die in allen Belangen stilsichere Lady da so aus den sechs Saiten kitzelt!!

Vier Wochen später gaben sich ZEMENT im Club der Herzen die Ehre und konnten dabei derart glänzen, dass ich gleich noch das im Februar des Jahres erschienene Passagen mitnahm. Ein Album, das ich seither regelmäßig und gerne höre. Zu meinem tiefen Bedauern konnte ich eine Woche darauf der Livetaufe des Debüt-Albums großemüdeaugen vom geschätzten PAULEPROJEKT nicht beiwohnen, das zugehörige Werk aber kann ich allen ans Herz legen, die früher mal mit NDW und Post-Wave vertraut waren, ohne die Funken von Blues und Indie-Rock aber nicht klarkommen. Trotz aller Melancholie bis hin zur Schwermut, versprüht großemüdeaugen – von berufener Zunge und durchaus positiv wertend als „schrulliger Indie“ bezeichnet – eine wohtuende Frische und zeigt sich mit vielen Features und Gästen sehr abwechslungsreich gestaltet. Gefreut werden darf sich auf künftige Alben und Konzerte dieses Künstlers ebenso, wie auf die für kommendes Frühjahr anberaumte Tour von SPIDERGAWD, deren im September veröffentlichtes Album From ∞ to infinity – krachig und gleichsam mitreißend vor Melodien strotzend – wie gewohnt und geliebt daher kommt!!

Zufällig fiel mir im fortschreitenden Herbst noch eine 2025er Veröffentlichung mit einer Zusammenstellung von Songs des unvergessenen DANIEL JOHNSTON in die Hände. Love Lives Forever versammelt einige seiner mehr oder minder bekannten Songs, manche mehrfach, aus BBC-Sessions zwischen 2003 und 2011. Die Mitschnitte wurden nunmehr remastered und veröffentlicht, um „Daniels musikalisches Erbe zu feiern“, wie auf der Läbel-Seite zu lesen ist. Das ist wohl sehr gut gelungen, würde ich sagen!! Um denselben zeitlichen Dreh rum sah ich im Kino Deliver Me From Nowhere, der sich der Geschichte BRUCE SPRINGSTEEN’s während der Entstehung des Albums Nebraska widmete. Ein toller Film, wie ich fand, der mich zudem dieses sehr introspektive und richtig gute Album entdecken ließ – das bislang einzige mir bekannte Album des Boss, das mir auf ganzer Länge richtig gut gefällt!!

Gar nicht zufällig besuchte ich Anfang November FIRE! zum zweiten Mal im Jahr, nun in der Schorndorfer Manufaktur, und die drei konnten mich genauso fest am Hörschopf packen, wie ein gutes halbes Jahr vorher – so wurde ich nunmehr also vollends gefangen genommen von den Klängen des Herrn Gustafsson. Zumal ich nur weitere drei Wochen später in den Genuss kam, den Saxofonisten mit dessen Experimental-Trio GUSH zu erleben. Danach machte ich Nägel mit Köpfen und legte mir nicht nur deren 1998er Album Afro Blue, das als Klassiker des experimentellen Free-Jäzz gilt, als CD zu, sondern besorgte mir digital und körperlos auch noch das Fire!-Gesamtwerk – soweit vorhanden – sowie einige andere ausgewählte Werke aus dem Schaffen des Saxofonisten. Damit werde ich wohl noch sehr lange beschäftigt sein. Sagen kann ich jetzt schon, dass ich jene FIRE!-Alben, die in Kollaborationen mit Gitarristen entstanden, ganz besonders hörenswert finde. Etwa In the Mouth – A Hand aus 2012 mit dem Multiinstrumentalisten Oren Ambarchi an der Gitarre. Oder Requies, aufgenommen 2015 mit Stephen O’Malley von den Ambient-Drone-Rockern Sunn O))) – veröffentlicht in 2022. Und natürlich Unreleased aus 2011, mit dem guten alten Noise- und Post-Rocker Jim O’Rourke.

Ziemlich gut dazu, nicht zuletzt zum ein wenig Auflockern der vielen Saxofon-Klänge, passt der im Oktober des Jahres veröffentlichte Soundträck Ahsol Caravan von MOTORPSYCHO, mein letzter Zugang des Jahres. Einmal mehr gibt es hier Musik zu einem (vorgeblich) fast fünfzig Jahre alten Film eines – na sowas: fiktiven Filmemachers!! Sehr experimentell gehalten sind die zwölf Stücke auf der CD-only-Veröffentlichung der Norweger, gut geeignet für einen chilligen Abend – entweder während des Schmökerns von Literatur oder auch für eine Runde klanginduzierten Kopfkinos.

Ja, sehr weit weg von gängigen Hörgewohnheiten bin ich da nicht eben selten umhergetapert. Und kramte im vorweihnachtlichen Finaleinlauf des Jahres, angestoßen von gesanglichen Betätigungen, nach sehr langer Zeit das Album If I Should Fall From Grace With God aus dem Regal; ja, die guten alten POGUES. Ein zeitlos geiles Album, das ich gleichsam wieder- wie neuentdecken konnte, nachdem ich die Bänd sehr lange nicht mehr gehört hatte. Bäck to some fucking Roots war das Jahr also auch ein wenig. Ergänzt durch viele experimentelle Herangehensweisen an Musik, sei es mit Kompositionen oder schlicht frei interpretiert und improvisiert.

Zeitlich in Überschneidung mit diesem Sprung in die Vergangenheit, wurden mir Blicke in die Zukunft gewährt, etwa, wenn drei Wochen nach Kalenderneustart GAVIAL, eine meiner großen Entdeckungen der letzten Jahre, mit Thanks, I Hate It den sehr hörenswerten Nachfolger des großartigen „VOR“, das sich mit tausenden von Zähnen im Ohr festgebissen hat, ins Licht der Plattenladenwelt entlassen werden.

Ja, soweit also der Rundumblick aufs abgelaufene und verblichene 2025. Was offen bleiben muss ist jedenfalls die Frage, ob Ozzy wohl pünktlich zu dessen zehnten Todestag Lemmy zum Duett getroffen hat? Letzteren durfte ich ja im Cräsh kurz vor Jahreswechsel nicht weniger als würdig mit SNAGGLETOOTH feiern. Änywäy – alles kann selbst ich nicht wissen, aber ein bisschen küren kann ich noch:

Von den Alben aus 2025, die Einlass in meine Sammlung fanden, gefallen mir besonders gut:

MOTORPSYCHO motorpsycho (VÖ 21.02.25 / NFGS)
 
THE GREAT MACHINE Working Class Anarchist (VÖ 12.09.25 / Noisolution)
 
HEDVIG MOLLESTAD TRIO  Bees In The Bonnet (VÖ 9.05.25 / Rune
Gramofon)
ZEMENT  Passagen (VÖ 14.02.2025 / CrazySaneRecords)
 
SPIDERGAWD  From ∞ to infinity (VÖ digital 12.09.25, Vinyl später / Crispin Glover)
 
Chapeau!!

Bei den Konzerten, welche ich im abgelaufenen Jahr tatsächlich recht eifrig am Besuchen war, gibt’s einige zu erwähnen. Hier ragten für mich folgende weit heraus:


MOTORPSYCHO
 
FIRE!
 
HEDVIG MOLLESTAD TRIO
 
GUSH
 
Gefolgt von
 
OLDSEED
PAULEPROJEKT
AVISHAG C. RODRIGUES
ZEMENT
 
Sehr, sehr geil!! Nix ist schöner, als Zeit mit guter Live-Musik!!


Alsdann die kleine Retrospektive äs usual selbstverständlich damit abzurunden wäre, dass ich meinen Dank an alle ausdrücken möchte, die in irgendeiner Form zu Bereicherung meines Klangkosmos und zum Soundträck of my Life beitragen; an Micha für endlich mal wieder Worte auf dieser Seite, die nicht von mir kommen sowie – ganz FETT: Tommi für den digi-technischen Support!!

Last never least: This wonderful Wördsite goes out an Alle, die sich schlicht am Lesen meiner Worte erfreuen und vielleicht sogar bissl meine musikalischen Geschmäcke teilen!!
Thänx ä BIG LOAD!!
Cheerz – stay tuned & wohlgesonnen!!
Yours sincerely
Pändy

30.12.25

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