Motorpsycho                                15.11.18 Winterthur, Salzhaus


Das Salzhaus in Winterthur ist eine recht hübsche, unter Denkmalschutz stehende Lokalität. Sie verfügt über einen im vorderen Bereich des Gebäudes liegenden Konzertraum, der gut und gerne fünfhundert Menschen Platz bieten kann. Im hinteren Bereich, abgetrennt durch eine Wand und über zwei seitliche Durchgänge zu erreichen, befindet sich ein Kneipenraum mit Theke, Tischen, Kicker, Garderobe und - bei Bedarf - dem Merchandise-Tisch. An der Decke entlang ziehen sich Holzbalken durch die gesamte Lokalität, die für eine spezielle, sehr angenehme Atmosphäre sorgen.
Nach den Angaben der Salzhaus-Website haben ein paar Norweger vor neun Jahren dort ein als legendär geltendes Konzert gespielt - ich selbst habe noch nie ein nicht legendäres Konzert der besagten Bänd erlebt und war ohnehin bereits Tage vorher von Vorfreude auf diesen Ausflug erfüllt...

The Four Norsemen eröffneten mit dem Titelsong und Opener der aktuellen Platte: "The Tower"; die ersten Gänsehäute ließen sich beim Erklingen der Anfangstakte des darauf folgenden 'Blissard'-Songs "Manmower" verspüren. Järmyr, Ryan und Sæther, verstärkt durch einen alten Bekannten, Reine Fiske - temporäres Mitglied zu Zeiten von "Hell pt 1-7" bei den 2014er Auftritten - an Gitarre und Mellotron. Die Norweger wirkten und agierten von Beginn an gewohnt spielfreudig, erste Hinweise auf die ganz große Magie und somit das erste insgesamt herausragende Highlight gab es mit dem großartig dargebotenen "A Pacific Sonata". Hierauf folgte mit "Triggerman" ein treibender Ausflug zum 'Black Hole / Blank Canvas'-Album (2006), ehe, laut Bent auf Special Request (vermutlich des am nächsten Tag abreisenden Herrn Fiske), die Fleetwood Mac-Adaption "The Green Manalishi" auf dem Plan stand; ein Song, der von Motorpsycho nach meinen Recherchen* zuletzt 1996 (!!) gespielt wurde. Sehr, sehr geil, das!!

Trotz hör- und sichtbarer Eingespieltheit der Formation, insbesondere natürlich zwischen Ryan und Sæther, passierte beim wunderschönen, mit viel roter Beleuchtung visuell unterstrichenen "Lacuna/Sunrise" ein ein kleiner Abstimmungsschnitzer, als Snah sich gegen Ende des Impro-Instrumentalteils des Songs offenbar ein wenig verlaufen hatte und nicht mehr richtig aus den Ausuferungen ins Stück zurückfand. Er hielt inne, guckte kurz irritiert, lächelte dann und überreichte mit kleinem Handwink das Ruder an Bent und das Stück konnte recht unbeschadet zu Ende gespielt werden.
Nicht viel später fiel dann die letzte imaginäre Wand und diese ganz spezielle, magische Energie, welche diese Bänd immer wieder zu versprühen vermag, nahm ihren ungebrochenen Lauf: "Ship of Fools", "Starhammer" und "The Wheel" nahmen bestimmt annähernd eine Stunde Zeit in Anspruch, die es in sich hatte: Wirbelbass und Hammer-Impro-Jäms auf dem Schiff der Bekloppten, eine selbst für Snah-Verhältnisse außergewöhnliche Gitarren-Session bei "Starhammer", die zeitweise klang, als spiele er unter Wasser; schließlich komplettierte "The Wheel" diese alles überragende Song-Trilogie des Abends, wobei das Stück vom 1994er Album 'Timothy's Monster' nicht nur den kontinuierlichen, ununterbrochenen Trance-Rhythmus eines sich unerbittlich drehenden Rades verkörperte, sondern dabei mit der Wucht einer außer Kontrolle geratenen Dampfwalze durch den Raum glitt, von der man sich wünschte, sie würde niemals aufhören, einen zu überfahren.

Nach diesem Höhepunkt akustischer Ekstase und einer Spielzeit von zwei Stunden und zwanzig Minuten verließen die Männer für wenige Momente die Bühne und überließen es dem Publikum, seine Begeisterung dauerapplaudierend kundzutun. Mit dem wunderbaren "Fools Gold" als einzige Zugabe beschlossen die Norweger den Abend nach knapp über zweieinhalb Stunden, die erneut keine Wünsche offen ließen (außer vielleicht dem Wunsch, dass ein Motorpsycho-Konzert niemals enden möge...).

Die Rückfahrt ins Badische gestaltete sich etwas kompliziert - fast komplexer als die Songs der gehörten Bänd: Die schwyzerischen Baustellen verwirrten offenbar das deutsche Navi, und als das Problem endlich nach ein paar gefahrenen Loops gelöst war und wir zurück in die Bundesrepublik gefunden hatten, mussten wir feststellen, dass die eidgenössischen Zollbehörden offenbar den gesamten Nebel einfach über den Rhein geschoben hatten, durch den wir uns nun kriechend kämpfen mussten... Anyway - es kann kaum so viele Streckenhürden geben, wie es lohnenswert ist, einem solchen Musikabend beizuwohnen. Da kann ich nur unterschreiben, was ein Herr Bohli an anderer Stelle des Netzes über ein anderes Konzert von Motorpsycho schrieb: "Wenn Motorpsycho auf der Bühne stehen, dann wird alles andere irrelevant: Egal, dass es auf diesem Planeten noch weitere Musiker gibt; es ist sinnlos über Probleme und Sorgen nachdenken zu wollen; vergeblich der Versuch, klare Gedanken fassen zu wollen." (artnoir Musikmagazin)**.

You are so goddamn right!!


...und hier die originale Abschrift der originalen Setliste (YESSS!!!):
THE TOWER / MANMOWER / ONA PLATE / CUCKOO / PACIFIC SONATA / TRIGGERMAN / THE GREEN MANALISHI / STG / >LACUNA / >SHIP OF FOOLS / STARHAMMER / THE WHEEL // FOOLS GOLD

19.11.18

*bei setlist.fm + Camp Motorpsycho

**Hier gibts -  nebst ein paar anderen - auch ein Review zum Salzhaus-Auftritt

P.S.:

Dieses Video von "THE WHEEL" (2.09.18 live in Maastricht) ist extrem empfehlenswert - ist performt wie im Salzhaus - klick hier


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