Monster Magnet                                      22.11.11 Karlsruhe, Substage

 

Seit ungefähr achtundvierzig Stunden treibt mein Unterbewusstsein wieder sein Lieblingsspiel mit mir: ständig schickt es mir - ungefragt und ungebeten - über Minuten und Stunden hinweg und in permanenter Wiederholung, ein bestimmtes Stück, eine Melodie, eine Songpassage ins reelle Bewusstsein. Fies ist das von Zeit zu Zeit, wenn man das Stück zwar kennt, aber auf Teufel-und-Konsorten-komm-raus nicht drauf kommt, was das jetzt ist. In diesem aktuell akuten Falle jedoch ist es denkbar einfach: Monster Magnet. Und die sich brav und gerecht abwechselnden Stücke sind hierbei stets streng dem Album 'Dopes To Infinity' entnommen¹. Nun sitze ich hier, tipse diese Schnipsel, und frage mich, weshalb ich - Gott verdamm mich - wohl vom Konzert des alten Haudegen Dave Wyndorf und seinem Gefolge nicht bis in den letzten Zipfel des Marks begeistert war? Waren meine Erwartungen zu hoch? Der schäbige eig'ne Gusto ob falscher Vorstellungen verwirrt oder gar beleidigt? Oder schlägt es einem durch jahrelanges Umherwandern zwischen fremden Mobil-Telefon- und W-Lan-Netzen so langsam Risse quer durch die reflexiv-kritische Beurteilungsebene? Hm, na ja, andererseits ist das eigentlich ja auch irgendwie egal, ich erzähl einfach mal, wie ich das so erlebt hab...

Nach nicht ganz einfacher weil staubehafteter Anfahrt kamen wir, während die Vorbänd sich noch abmühte, im ausverkauften Substage an. Bis wir bereit waren, uns unters Publikum zu mischen, waren The Black Spiders grade beim letzten Stück angekommen. Also übten wir uns in Konversation, bis um etwa viertel nach zehn die Zeit für Monster Magnet endlich reif war. Die formierten sich wortlos auf der Bühne, spacige Klänge vom Band füllten den Raum, bis die Musiker einsetzten und mit einer sehr geilen Version von "Vertigo" starteten. Insbesondere der Schlagzeuger tat sich hier als großer Antreiber positiv hervor.

Doch mit diesem Auftakt hatte ich nun gar nicht gerechnet, war noch in der Ankündigung die Rede von "performing the album Dopes To Infinity for first time completely live" - oder so. Da geht Euer lieber smart-shitting Onkel Pändy natürlich straight davon aus, dass das auch ganz ordentlich und fein strukturiert in dementsprechender Reihenfolge passiert. TAT ES NICHT!! Und dann stand ich auch noch keine drei Meter von dem Gitarristen mit der angsteinflößenden Hackfresse entfernt, neben dem sich der vollblutalberne Bassmann aufhielt - ich hoffe inständigst, dass niemand meine vermutlich demenz-ähnlich entrückt-verständnislosen Gesichtszüge registriert hat...

Dabei fand ich den sein Instrument gerne wirbelnden Viersaitenkünstler schließlich noch den mit Abstand amüsantesten in der Gruppe. Zumal der langjährige Gitarrist Ed Mundell nicht mehr mit von der Partie ist. Der wurde am Instrument zwar einigermaßen adäquat ersetzt, seine Coolness hat mir dennoch ein wenig gefehlt². Der Frontmann als letztes verbliebenes Gründungsmitglied brauchte offenbar relativ lange, um selbst aufzutauen, auch mal ein Wort an seine treuen Fäns zu richten. Lange Zeit zeigte er sich weit überwiegend mit sich selbst beschäftigt, in gesangsfreien Passagen wiederum gerne auch mit seinem kleinen Synthie hinten neben dem Schlagzeug. Womöglich hat er sich aufgrund mangelnder Betriebstemperatur das gesamte Konzert über nicht von seinem Lederjäckchen getrennt, welches in Kombination mit der (für mich nie deutlich hörbaren) Gitarre wohl vor allem sein Figürchen einigermaßen in Schach halten sollte. Aber ich werde schon wieder gehässig - sorry, Dave!!

Anyway, Monster Magnet spielten sich in loser Folge durch besagtes Album, zelebrierten die Stücke mal mehr und mal weniger ausführlich, der Sound war der Sache entsprechend fett - und daneben auch noch ziemlich gut. Bei manchen Stücken, wie zum Beispiel dem ruhigeren "Blow 'Em Off", hatte ich in kleinen Passagen den Eindruck, jetzt verabschiedet sich gleich seine Stimme, in wieder anderen Momenten zeigte er schon beinahe vorzüglich zu nennende Sangeskünste. Ebenso kam mir ein Teil der Songs etwas routiniert bis uninspiriert vorgetragen vor, wieder andere hingegen sehr mitreißend und wuchtig. "Ego, The Living Planet" war da unter den Highlights zu finden, oder "Look To Your Orb For The Warning"; außerdem das endlos geile Titelstück und das in einer grandiosen Version das reguläre Set nach fünfundsiebzig Minuten abschließende "King Of Mars" sowie das die dreißigminütigen Zugaben eröffnende "Negasonic Teenage Warhead".

Über "Powertrip" vom gleichnamigen Album habe ich mich denn auch besonders gefreut, bevor mit einer - vom albernen Aufruf "ihr müsst alle 'Motherfucker' rufen wenn ich 'Motherfucker' rufe" abgesehen - selten grandiosen Version ihres wohl größten Hits "Space Lord" - MOTHER FUCKER!!!!!³ - die Show endete...

Insgesamt war der Auftritt zwar von einer Offenbarung eine gute Ecke weg, nichtsdestotrotzdem konnte man sich eines guten Konzertes der alten Psychedelic-Space-Stoner-Rocker erfreuen...

 

...und hier die Setlist:

Vertigo / I Control, I Fly / Look To Your Orb / Dopes To Infinity / All Friends & Kingdom Come / Ego, The Living Planet / Blow 'Em Off / Dead Christmas / Third Alternative / Masterburner / King Of Mars // Negasonic Teenage Warhead / Hallucination Bomb / Powertrip / Spacelörd

 

P.S.: Als kleines Spezial-Bonbon gab's denn auch eine schlicht mit 'Dopes' betitelte Limited-Edition-Tour-EP im wunderhübschen 10"-Format käuflich zu erwerben. Sie enthält drei Stücke in (vermutlich) neu eingespielten Versionen, etwas ruhiger und weniger krachig als die Originale, dafür aber angenehm verspult und schön spacey...

A1 Look To Your Orb For The Warning

A2 King Of Mars

B   Dopes To Infinity

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Anmerkungen:    ¹ Lechz!!      ² Schnief!!      ³ ...uh !!

24.11.11

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