MELVINS                                      28.10.11 Schorndorf, Manufaktur

 

Spontan ist oft am besten. Ein mail-Wechsel am Mittwoch noch mit Zaudern behaftet; ein Telefonat am Donnerstag mit Kartenausdruck als Ergebnis; eine Zugfahrt mit Umstieg ins Auto am Freitag - ehe wir uns versahen standen wir etwa in drei Meter Abstand zu zwei in der Bühnenmitte aufgebauten Drumsets, auf der einen Seite gestützt von einer Bass-Anlage, auf der anderen von Gitarren-Verstärkern. Man sollte es also offenbar gleich mit vier Frontleuten zu tun haben. Beschriebenes Setting befand sich unweit der baden-württembergischen Landeshauptstadt in einer etwa fünf- bis sechshundert Leute fassenden Lokalität, durchweg recht schlicht und schummrig gehalten, an der Wand ein paar große Bilder von Jazz-Musikern.

Wortlos betraten um halb zehn die Schlagzeuger Dale Crover und Coady Willis die Szene, links bzw. rechts der beiden legten Jared Warren den Bass sowie Buzz Osborne die Gitarre an. Umgehend begannen sie mit melvin-eskem Trommelwirbel, gepaart mit tribal-ähnlichen Gesängen aller vier Protagonisten. Dazu gab es lange Bass-Feedbäcks sowie vereinzelt in den Raum gestellte Gitarrenakkorde, bevor der musikalische Warm-Up-Prolog in die ersten Stücke überging. Von nun an spielten sich die MELVINS vor geschätzt drei- bis vierhundert Besuchern mit fast durchweg stoisch unverzerrten Gesichtsausdrücken durch ihr Set. Schwerpunkt lag auf den jüngeren Veröffentlichungen, wobei ich mit dem recht umfangreichen Gesamtwerk der Bänd bei weitem nicht so vertraut bin, dass ich allzu viele Songs per Titel hätte identifizieren können - ein Manko, ja, ich weiß darum!! Sofern mich jedoch die Erinnerung nicht gänzlich hängen lässt, waren u. a. folgende Songs mit im Programm: vom letzten Studio-Album 'The Bride Screamed Murder' "the water glass" und "evil new war god"; weiter "The Kicking Machine", "Dies Iraea" und "Suicide In Progress" von 'Nude With Boots', "queen" von 'Stoner Witch' sowie "the bit" und "skin horse" von 'Stag' - demnach also auch eine kleine Reise durch ihr Schaffen. Ganz so klar voneinander abzugrenzen waren ohnehin nicht alle Stücke, da vieles in Jäms und Improvisationen begann, überging und/oder endete. Statt Ansagen oder gar Dankesreden gab es lieber mal kleine Noise- und Feedbäck-Orgien zwischen den Stücken, ganz die Vollblutfreaks eben...

Nach gut einer Stunde abwechslungsreichen Treibens überließen Warren und Buzzo die Bühne erneut für ein paar Minuten den Drummern, was wohl den Übergang in die nun folgende, gute halbe Stunde Zugaben einleitete. Der Sound, nebenbei erwähnt, wurde im Lauf der Zeit zunehmend besser, trotz des wohl ziemlich am Anschlag wandelnden Lautstärkepegel gab es daran nicht das mindeste auszusetzen. Der Bass war häufig schön angezerrt, zeitweise spielte Mr. Warren auch Akkorde, so dass er einfach nach einer sehr tief gestimmten Gitarre klang und mich einmal sehr angnehm an Cliff Burton's "Anesthesia (Pulling Teeth)" erinnerte. Auf längere, langsam und schwer getragene Passagen folgten immer wieder schnellst vorwärts rockende Stücke; dazwischen fand sich eine kleine Parodie auf die Sixties mit schönen aaaahs und uuuuhhs sowie lalalallaa-Hintergrundgesängen. Noch wesentlich deutlicher als beim Hören an der heimischen Stereoanlage, ließen mir die MELVINS live häufig Comic-Assoziationen in die Sinne kommen; so ernst sie auch das gesamte Set über dreinschauten, so unmöglich können diese Künstler alles was sie tun ohne Humor betreiben. Allein die Sideshow-Bob-Frisuren Buzzo's und Warren's schließen dies aus. Und ihre musikalisch stets zelebrierten De- wie Rekonstruktionen konventioneller Songstrukturen zeigten sich hier erst recht als wahrhaft prachtvoll für den geneigten Hörer.

Somit gibt es nur ein einziges Highlight zu nennen: nämlich das komplette, etwas mehr als neunzig Minuten andauernde Konzert, das praktisch ohne Pause durchgespielt wurde, was wohl insbesondere den fast unterbrechungslos beschäftigten Drummern mehr als passable Anstrengung abverlangte, welche hierbei häufig auch noch die Gesangsparts King Buzzo's verstärkten. Dabei ergänzten sie einander regelmäßig mit punktgenau passenden Fills oder reichten sich ihre Läufe wie Staffelläufer weiter. Spielten sie wiederum dasselbe, taten sie dies mit erstaunlicher Exaktheit und erzeugten einen schier unglaublich fetten Drumsound.

Die letzten Minuten gehörten dann dem Ensemble ohne seinen Gitarristen, welcher so wort- und gestenlos die Bühne verließ, wie er dies die gesamte Spielzeit über gehalten hatte. Nun gab es ein abschließendes Bass- und Schlagzeug-Feuerwerk, welches in einer kleinen Lärmzeremonie endete und den Abend somit standesgemäß abrundete. Einziges kleines Ärgernis blieb, dass ich ein paar Schritte zu spät bei des Roadies Verteilen der Bühnenrequisiten war und leider leider keine der Setlisten mehr ergattern konnte. Von diesem winzigen Faux-pas abgesehen, war der Konzertabend der bereits seit fünfundzwanzig Jahren aktiven Untergrund-Ikonen ohne jegliche Allüren ein echtes Erlebnis, das sicher noch lange im Gedächtnis haften wird. Und vielleicht sieht man sich sogar einmal wieder, so ganz spontan - who knows...?

 30.10.11

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