Max Goldt                                     Freiburg, E-Werk 28.10.16

 

Lange habe ich nichts mehr vom Wortakrobaten feinster Güte aus deutschen Landen gelesen, nachdem ich seine Texte über einige Jahre hinweg geradezu verschlungen habe; gar noch länger muss es her sein, dass ich mir habe in der Öffentlichkeit von ihm vorlesen lassen. Dabei setzt es den Textkompositionen des Künstlers stets noch ein zusätzliches Krönchen auf, wenn er sie höchstselbst intoniert. Nun besuchte der mit solch begnadetem Sprachsinn ausgestattete Schriftsteller freitagabends die Bühne im großen Saal des E-Werks, um für die nächsten zwei Stunden seine Verschriftlichungen zu präsentieren.

An der schlichten, doch nicht kargen Bühnendekoration hat sich nichts geändert, seit ich zuletzt eine Lesung des Herrn besucht habe: Ein per Tuch verhüllter Tisch mit Leselampe, außerdem mit einer Flasche Wasser sowie einem Glas darauf und aus des Lesenden Perspektive links des Tischs eine Topfpflanze. Fertig.

Pünktlich um zwanzig Uhr betrat Max Goldt bebeifallt die Bühne, verbeugte sich höflich, legte seine Mappe mit den Texten und ein Etui mit Lesebrille vor sich auf den Tisch und nahm Platz. Er sprach einige Worte zur Begrüßung und über seine Auswahl der Texte, welche großteils seinem jüngsten Werk namens "Räusper" entnommen waren. Hier hatte er sich ausschließlich Dramoletten, also kleinen Dramen, gewidmet, wie er berichtete. Daneben gabs natürlich auch ältere, mal mehr, mal weniger überarbeitete Geschichten. Wenn ich es recht erinnere, war auch bislang Unveröffentliches mit dabei.

Max Goldt beherrscht es aufs Beste, sowohl gesellschaftliche Debatten aufzugreifen und in seiner eigentümlichen Art zu beleuchten, wie auch - vorgeblich oder potenziell so erlebte - Szenarien zu beschreiben, dass die Zuhörenden sich gleichsam bestens die Situation vorstellen können als sich auch selbst in diese einzufühlen vermögen. Dabei begibt er sich weder unter die Knute, allzeit politisch korrekt sein zu wollen - mitnichten, denn dafür ist Satire ja auch nicht gemacht - noch macht er Hehl aus persönlicher Meinung. Dennoch ist er beschriebenen Personen oder Personengruppen gegenüber niemals despektierlich oder abfällig.
Das Abstruse, Groteske, Absurde bleibt auch nicht außen vor und doch ist das mich nach wie vor an diesem Schriftsteller faszinierendste die Melodie und der Klang seiner Sprache und Wortspielereien. Einfach großartig!! Und diesem Sinn für die schriftliche Sprache steht sein Talent vorzulesen in keinster Weise nach. So werden aus Herrn Goldts Kehle sogar die teils unsäglichen Kommentare von Hotelbenutzern aus dem www zu einem hörenswerten Text.

Ebenfalls bemerkenswert war die Kurzweiligkeit des Abends; weder die erste Stunde bis zur zwanzigminütigen Pause noch die zweite Stunde inklusive der kurzen Zugabe kamen weder mir noch meiner ebenfalls sehr angetanen Begleiterin auch nur annähernd wie jeweils sechzig Minuten vor...
Chapeau, Monsieur!!

31.10.16

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