Kristofer Aström                               23.03.12 Freiburg, White Rabbit

 

  In den Achtzigern verzierten manche Menschen ihre Autos mit Aufklebern, auf welchen Stell dir vor es ist Krieg - und keiner geht hin zu lesen war. Gestern abend im Hasen hätte ich solche Sticker gerne mit der Aufschrift Stell dir vor es spielt 'ne Bänd - und keiner hört zu verteilt. So traten zwangsläufig Interessenskonflikte ein, von welchen mir zum Beispiel folgende Begebenheit berichtet wurde: Darum gebeten, etwas ruhiger sein zu können, äußerte sich ein permanent quatschender Gast - welcher immerhin fünfzehn Euro bezahlt hatte, um Einlass zu erhalten - sinngemäß, Musik sei etwas Soziales, wer sich an Gesprächen störe, solle seine Perspektive überdenken. Das verlangt mir fast schon wieder Respekt ab, weshalb ich für dieses beachtliche Maß an praktizierter Ignoranz von hier aus gerne die Auszeichnung des Master of Ignorance in der Kategorie Hallo Leute! Ich hab' keine Ahnung, was hier läuft - aber ich bin ganz vorne mit dabei!! übersende. Möge er seine Kinofilme künftig unter Popcorn schmatzendem, kontinuierlich mit Tüten raschelnden und dabei dauerschwatzendem Publikum genießen. Ein Hoch auf die neue Kultur "sozialer" Veranstaltungen!!

Nun aber genug der Schimpfe. Die erste dreiviertel Stunde gehörte Mattias Hellberg. Hier waren noch relativ wenige Menschen anwesend, die sich zu großen Teilen denn auch des Hörens zu erfreuen schienen. Das erste und letzte Stück spielte der Ex-Hellacopters-Gitarrist alleine am Banjo, dazwischen erhielt er Unterstützung an Tasten und Gesang von Aström's Keyboarder Jonas. Ein durchaus schöner Einstieg in diesen schwedischen Abend.

Nach kurzem Umbau füllte sich die Lokalität, etwas mehr Menschen drängten Richtung Bühne, um Kristofer Aström und dessen (offenbar namenlose) Bänd zu sehen. Zu fünft füllten diese den Bühnenraum gut aus, spielten sich drei oder vier Stücke lang warm, bevor eine kurze Ansage folgte. Im Lauf der neunzig Minuten behielten die Stücke fast durchweg die Instrumentierung mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboard, gelegentlich Mundharmonika und zeitweise vier- bis fünfstimmigen Gesängen bei. Nur bei zwei Stücken, darunter die Eröffnung der Zugaben "Can You Imagine", vom aktuellen Album 'From Eagle To Sparrow', gab es die ruhigen, solistischen Momente, welche ich am Werk des Songwriters sehr schätze. Die Schwerpunkte lagen denn auch auf den letzten drei Alben, schön verziert mit Songs aus früheren Schaffensphasen und durchweg in die klanglichen Farben der aufspielenden Bänd getaucht. Die folkigen Anleihen fehlten vollständig, der Sound ging mehr den Weg melancholisch bedächtiger, dabei angenehm unaufgeregter Rockmusik.

Leider konnte man sich tatsächlich fast durchweg nur sehr erschwert auf die Musik einlassen, zu störend waren die vielen Gespräche im Publikum. Dies kostete offenbar auch den Sänger ein paar Nerven, was er zwischendurch ganz direkt mit dem in die Ansage eines sehr ruhigen Stücks eingeflochtenen "Shut the fuck up" deutlich kundtat, diesen Ausbruch jedoch gleich wieder mit einem "just kidding" zu relativieren suchte. Meist gab er den Unmut durch die Blume zu verstehen, indem er zum Beispiel ein lautes "Thank God it's Friday" ins Publikum rotzte. Dafür, dass sich solch ein Geräuschpegel in aller Regel wohl auch auf die performenden Künstler überträgt, machten die Schweden ihre Sache dann doch erstaunlich gut, so richtig überspringen konnte der Funke jedoch nur selten - zumindest bei mir. 

Der Gesamtsound im Hasen war akzeptabel, wenn auch nicht ganz optimal, so dass ich - von mehrfach angesprochener Problematik abgesehen - trotzdem ein gutes Konzert sehen und teils hören konnte, bevor mich die Müdigkeit bald nach Ende der letzten Live-Klänge nach Hause schickte...

 

At least die (ziemlich) Original-Abschrift der Setliste - especially for you:

How Can You Live / Come Out / All Lovers Hell / Conjure me / Strong & Tall / Defender / Taser Gun / When Her Eyes Turn Blu. / For You / Blind MF / Queen Of Sorrow / Just a Little Insane / The Dark / 27. // Can You Imagine / What I Came Here For / If You Really Wanna Know

24.03.12

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