Gone With The Wind
oder
Von Schneckenhäusern und stürmischen Zeiten

 

Große kleine Freunde meiner Seltenheit haben mir im Laufe eines Besuchs einmal drei leere kleine Schneckenhäuser mitgebracht. Sie waren unterwegs zu einer Besorgung gewesen und hatten diese am Wegesrand eingesammelt. Mit großen Augen bekam ich die Funde als unglaublich wert- und kunstvolle Schätze präsentiert. Zwei bleich-gelbe Hüllen mit schwarzen Streifen, eine beige-weiße. Alle ungefähr gleich groß, wie etwa gleichaltrige Geschwister. Nun gesellten sich die drei auf meiner Terasse zu einem bereits vorhandenen Geschenk: einer ebenso leeren Hülle einer recht großen Weinbergschnecke. Nicht viel später kam noch ein weiteres ausgewachsenes, auch bereits lange verlassenes Exemplar einer etwas kleineren Schnecke selbiger Gattung hinzu.

So kam es, dass sich auf meinem Freisitz eine ansehnliche Schneckenhausfamilie versammeln konnte. Schleichend und leise, wie es gleichsam passende Art dieser Gattung ist, solange ihre Hüllen bewohnt und belebt, wenn auch nicht unbedingt überschwänglich beliebt sind. Damit sie sich an ihrem neuen Standort nicht am immer selben Platz allzu sehr der Langeweile genötigt fühlen mussten, gönnte ich ihnen von Zeit zu Zeit einen Wechsel ihres Mobilheimstellplatzes. Denn obwohl die Schneckenfamilie lediglich als leere Hüllen identifizierbar waren, wer weiß schon, ob vielleicht ja noch ihre Geister im zurückgelassenen Haus leben? Wenn nicht gar ihre empfindsamen Schneckenseelen? So veränderte ich auch die Reihenfolge, in welcher sie da saßen in steter Regelmäßigkeit.Jeder sollte mal neben jeden dürfen, jeder mal auf der einen oder anderen Seite nach außen hin, keiner sollte benachteiligt sein, und wenn doch, dann alle in gleichem Maße. So ist das eben, wenn man bei jemandem zur Untermiete lebt, in dessen Sinn für Gerechtigkeit besonders tiefe Ausprägungen gestanzt sind. War das Wetter einmal windig, konnte es sein, dass die Häuser umfielen oder sonst ihre Stellung wechselten. Nicht weiter schlimm, es gab nie größere Blessuren, oder gar Risse in den Wänden, die für unangenehme Zugluft oder gar Feuchtigkeitsdurchdringung nach innen sorgen konnten. Selbstverständlich stellte ich alle wieder schön auf.
Ich weiß nicht, wie lange die Geisterschneckenhäuser dort ihren Stellplatz inne hatten. Bestimmt einige Wochen, vielleicht sogar Monate. Bis besondere Witterungsbedingungen einzugreifen gedachten. Es kamen meteorologisch stürmische Zeiten, und als ich eines Vormittags meine Lieblingsfreilufträumlichkeit betrat, fand ich nur noch die größte der Schneckenmobilheimschalen vor. Ganz alleine. Umgekippt, auf dem Boden liegend, an die Wand in die Ecke gedrängt und mindestens einen Meter vom letzten Ruheplätzchen entfernt - was ein ungefähr verdammt vielfaches seines Bauvolumens betrug!! Sogleich richtete ich das hilflose Restgeschöpf auf, half ihm zurück auf die nicht vorhandenen Beine. Hat ihm doch der Wind, dachte ich, dies ungebändigte Kind, die Gesellschaft verblasen. Und gewährte meinem Unmut Lauf mit einem wütend-entfesselten: Tss!!
Ich setzte mich daneben, suchte nach Trost für die Landmuschel. Ob das Schicksal des Menschen nicht immer wieder ähnliche Geschehnisse bereitstellt? Einst findet er mit anderen zusammen, sie arrangieren sich in Paaren oder zu Gruppen, werden Gemeinschaften, Familien, Freunde, Gemeinden, bauen Beziehungen auf, Partnerschaften, schließen Freundschaften und machen Bekanntschaften - bis der Sturm des Lebens sie hinwegfegt...
Sind wir nicht alle nur mehr oder minder entleerte Schneckenhäuser im Strom der irdischen Zeiten? sagte ich zum leeren Schneckenhaus...
...und trat nicht drauf.
 

13.07.12

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