Japandroids                           23.04.2017   ZOOM, Frankfurt/Main



Das alleinige Zusammenwirken von Stromgitarre und Schlagzeug kann man wohl als maximal-minimale Quintessenz des Konzeptes 'Rock'n Roll-Band' begreifen. Vor mehr als 15 Jahren hat dies in ziemlich genialer Weise ein Duo namens White Stripes vorgemacht und damit so einige Wege geebnet. Rein musikalisch gesehen haben Brian King und David Prowse aus Vancouver mit Jack und Meg White aus Detroit zwar nur wenig gemeinsam, aber in ihrer visuellen Ästhetik lassen sich verblüffende Ähnlichkeiten erkennen. In rot und weiß gestaltete Albumcover auf der einen, schwarz-weißen auf der anderen Seite - und auf jeder dieser Platten blicken einen die beiden jeweiligen Protagonisten mehr oder weniger direkt an.
Die White Stripes sind allerdings Vergangenheit, die Zukunft heißt Japandroids und die haben nach fünf Jahren Abstinenz nicht nur ein äußerst vorzügliches neues Klangwerk am Start, sondern beehrten auch unsere deutschen Lande jüngst mit ganzen vier Konzertbesuchen.

Das ZOOM mitten in der Frankfurter Innenstadt ist ein kleiner, für ein solches Konzert aber auch etwas zu schicker Club mit schlechtem Bier und sehr freundlichem Personal. Bühne und Tanzfläche lagen etwas unterhalb des Bar-/Eingangsbereiches und waren von dort aus nicht einzusehen. Als die Vorband gegen kurz nach 20 Uhr loslegte, befand ich mich noch im oberen Bereich und sah deshalb zunächst nix von Dasher, deren Sound man mit dem Begriff Lärm schon sehr genau definieren kann. Das klang von Weitem nicht mal uninteressant. Vor allem der Schlagzeuger, der sich offensichtlich vorgenommen hatte sein Instrument grün und blau zu prügeln, sowie der Typ am Mikro, der sich sämtliche Lungenflügel rausbrüllte, weckten mein Interesse. Auf der Bühne dann schon eine kleine Überraschung: Drums und Vocals wurden nämlich von ein und derselben Person bedient - und dieser 'Typ' war eindeutig eine Frau! Eine knappe halbe Stunde Krach am Stück! Ein Song endete offensichtlich immer dann, wenn Mrs. Kimbrough ihr Geschrei stoppte und kurz die Sticks zur Seite legte (währenddessen galt es aber den durchgehenden Feedback-Orgien von Bass und Gitarre zu lauschen). Kurzer Schluck aus der Wasserflasche, irgendwas einzählen, weiterprügeln... Das voraussichtlich im Sommer erscheinende Debüt dieses Trios aus Atlanta werde ich mir wahrscheinlich eher nicht zulegen, aber live immer wieder gerne - dat hat schon Spaß gemacht!

Danach wirkte der Sound der Hauptdarsteller des Abends fast schon etwas brav. Vielleicht ist es aber auch unfair, die Japandroids 2017 mit denen von 2012 vergleichen zu wollen. Man kann das 'Erwachsenwerden' nennen und tatsächlich wurde ich die ganze Zeit das Gefühl nicht so richtig los, dass den beiden mehr an einem guten Bühnensound lag, als an einer wild-ekstatischen Livedarbietung. Aber sei es drum: Auf der Tanzfläche ging es dafür umso wilder zu und hatte man sich erstmal an die angezogene Performance-Handbremse gewöhnt, ließ sich konstatieren: Das Potential der Songs ist nach wie vor riesig!
In gut 90 Minuten konzentrierte sich das Duo auf ihre letzten beiden Platten, unterstützt von einer Handvoll Stücke vom 'Post-Nothing'-Debüt. Komplett ausgespart wurde dagegen leider das grandiose 'No Singles' - Album von 2010.

Wenn ich nun drei Highlights des Konzertes herausgreifen müsste, ließen sich diese tatsächlich demokratisch auf jede Veröffentlichung verteilen: "Wet Hair", "Younger Us" und "North East South West". Vor allem letzterer Song kroch als Ohrwurm noch bis kurz vorm Einschlafen durch meinen Gehörgang.
Ja, es war insgesamt schon mehr Professionalität als Spontanität, die da von der Bühne hinunterstrahlte. Aber die Begeisterung von King und Prowse wirkte echt: Die Verblüffung darüber, dass die erste Reihe geschlossen alle Texte fehlerfrei mitgröhlen konnte. Das mehrfach geäußerte Bedauern, dass dies der letzte Gig der diesjährigen Deutschland-Stipvisite war. Das gut gelaunte Geplauder des dafür zuständigen Gitarristen/Sängers mit dem Publikum. Dazu passte auch der Versuch von Mr. King kurz vor "Hearts Sweats" das übliche 'Dies-ist-unser-letzter-Song-und-dann-gehen-wir-von-der-Bühne' -Ding durchzuziehen, womit er grandios an einem kollektiven 'No Way, Boys!!' scheiterte.

Also ging es nahtlos mit einer Gänsehaut-Version von "Continuous Thunder" in den halbstündigen Zugabeblock, der mit einem frenetisch gefeierten "The House that Heaven buildts" (Oh oh oh oh oh oh oh oh!! - you remember?) endete.
Was das Low-Fi-Lärm-Konzept betrifft wurden die Japandroids an diesem Abend von ihrer Vorband eindeutig übertroffen. Ob zur Zeit allerdings ein besseres und sympathischeres Garage-Rock-Duo als diese beiden Kanadier unterwegs sein könnte, müsste noch bewiesen werden.


Martin 4.05.17

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