Courtney Barnett          9.11.2018, Schlachthof, Wiesbaden

 

Der Normalo-Typ mit dem Dreitage-Bart neben mir grinst breit, der schlaksige Langhaarige rechts vorne grinst, das junge Hippie-Mädel daneben sowieso. Aber sogar dieser etwas ältere Konzertgänger, Marke Musikerpolizei, den wahrscheinlich seine Freundin mitgeschleppt hat: Grinsen über beide Backen!!
Ohne Zweifel: Courtney Barnett macht Grinse-Musik, was auf keinen Fall mit Gute-Laune-Mucke verwechselt werden darf. Der Australierin – schon seit längerem kein Geheimtipp mehr – gelingt an diesem Abend etwas, was ich so wirklich schon lange nicht mehr vernommen habe. Ihre unbestreitbaren Ohrwurm-Songs verpackt sie mit ihren MitmusikerInnen in fiese, lärmige Dreckklumpen, die diese dann aber umso heller und noch eingängiger erstrahlen lassen. Das ist wohl das Geheimnis von großem Songwriting, irgendwie...
Zugegeben: Richtig überrascht hat mich die Großartigkeit von Courtney Barnett nicht wirklich. Spätesten seit ich ich dieses hübsche Video mit seiner speziellen Dylan-Reminiszenz gesehen habe, gilt sie für mich als eine DER Entdeckungen der letzten Jahre. Neben den großartigen Songs sind hier vor allem immer wieder ihre Texte, bzw. Textzeilen hervorzuheben, die schon allein einen (Grinse-)Review wert wären. Beginnend bei einem Plattentitel wie 'Sometimes I sit and think, and sometimes I just sit', über die Refrainzeile Gimme all your money and I make some Origami, honey, bis hin zu der lakonischen Feststellung in einem Song, in dem sie über einen lebensbedrohlichen Asthma-Anfall erzählt: The paramedic thinks i'm clever cos i play guitar I think she's clever cos she stops people dying.Aktuell dürfte es schwer sein, ein bessere Geschichten-Erzählerin als Barnett aufzustöbern.

Die Musik dazu ist eigentlich nicht viel mehr als eine Mischung aus 90er Indierock/Grunge und folkig angehauchtem Americana. Letzteres sticht vor allem in den eher ruhigen Stücken des Abends, etwa dem magischen "Depreston", hervor. Aber sie kann eben auch Punk-Rock – und das hat die gitarrenspielende Sängerin mit Bassist/Drummer/Keyboarderin (die auch ab und an auf die Zweitgitarre eindrosch) im Wiesbadener Schlachthof bewiesen.
Die Drei-Menschen-Mitband war dabei weiträumig um die Namensgeberin postiert und gab ihr Raum, aber auch offensichtlich großen Rückhalt. Zu bemerken war dies vor allem bei der ersten Zugabe, einem Gillian Welch – Cover, bei der die zuvor so selbstbewusst-souverän-coole Dreißigjährige allein mit ihrer Acoustic-Gitarre auf der Bühne plötzlich sehr schüchtern wirkte.

Oft genug entpuppen sich Erst-Konzerterlebnisse von Bands, deren Platten man zu schätzen gelernt hat, ja als kleine Enttäuschungen. Das war dieses Mal tatsächlich komplett anders. Eigentlich gab es an diesem Abend so gar keinen qualitativen Abfall und schon gar keine Ausfälle. Das lag zum einen sicherlich an der Güte der Songs an sich, zum anderen an der erwähnten Performance, also dem Umstand, dass man hier keine 1:1 Wiedergabe der Tonträger präsentiert bekam. Alles eben viel dreckiger, mehr in die Fresse und trotzdem unverwechselbar Barnett.
Mich hat das Ganze so sehr begeistert, dass ich hier und jetzt behaupte, eine Musikerin mit großer musikalischer Zukunft in der Frühphase ihrer Karriere erlebt zu haben.
Also: Keep smiling is garantiert!!

 

Martin, 19.11.18


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