Ben Harper                                6.08.11 Colmar, Foire aux Vins

 

Schon schön, wenn man sich zu einem Ausflug auf ein Weinfest ins benachbarte Elsass überreden lässt. Nicht, dass ich dem Vino über die Maßen zusprechen würde, neeeiiiinn!! - aber mal wieder der Live-Präsenz eines gewissen Herrn Harper beizuwohnen war bislang immer lohnenswert...

So war die große - überdachte und doch luftige - Arena ziemlich voll an diesem Abend. Das Set begann rockig, schon beim zweiten Stück, "Faded", gab es ein schön ausuferndes Solo des Könners an den sechs Saiten, dem folgte "Burn To Shine" vom gleichnamigen Album. Hiernach überließ die Bänd bereits dem Sänger die Bühne, um zwei Solo-Stücke auf der akustischen zu spielen - etwas früh, dies, dachte ich. Ebenfalls etwas früh kamen für meinen Geschmack bald darauf, als die Bänd wieder komplettiert war, ein (zu weit) ausgedehntes Drumsolo, welchem unmittelbar ein (sehr geiles) ebenfalls recht langes Bass-Solo folgte. Leider schrammte meine Stimmung von Zeit zu Zeit ob dieser sehr frühzeitigen Ausuferungen im Solieren ein wenig am Aufkommen von kleiner Langeweile entlang. Die konnte zum Glück immer wieder durch Glanzpunkte rechtzeitig abgefangen werden, so z. B. das sehr schöne Stück "Amen, Omen", von Ben alleine begonnen, um irgendwann die Bänd einsteigen zu lassen, sehr geil, das!! Oder seine Solo-Gesangseinlage - ohne Mikro!! - die nur getrübt war durch leider permanent währendes Hintergrundgemurmel einiger offenbar unbeirrbarer Klatschmäuler...

Ein weiteres Highlight stellte für mich das ebenfalls alleine vorgetragene "Another Lonely Day", am besten von den neueren Stücken konnte mir "Rock'n'Roll Is Free" gefallen, bei welchem Monsieur Harper in der Ansage aus dem Publikum zu kitzeln versuchte, ob sich die Leute denn auch Platten kaufen würden, oder - "come on, you can tell me!" - sich die Musik lieber aus dem Netz runterladen. Überhaupt trat er ganz gerne mit dem Publikum in Kontakt, ließ sich auch mal einen seiner Songtitel ins Französische übersetzen, und gab, nachdem es mit dem Verstehen der Zurufe nicht so recht klappen wollte, einen Zettel in die vorderen Reihen. Selbstredend war der Jubel groß, als er das Geschriebene sehr akzentbehaftet vortrug. Sehr sympathisch fällt dabei die  ehrlich anmutende Gerührtheit des Künstlers auf, wenn er dem Publikum seine Dankbarkeit per Griff an seine Herzgegend zu bekunden pflegt.

Insgesamt vernahm ich das musikalische Geschehen leider etwas durchwachsen, was nicht zuletzt daran liegen mochte, dass mir die älteren Songs schlicht besser gefallen als die neueren, die ich großteils auch nicht kenne, auf denen aber natürlich der Schwerpunkt des Auftritts lag. Weiter etwas störend empfand ich, dass das Set häufig aus seinem Fluss gerissen wurde, zugunsten von erwähnten Solo-Darbeitungen, zwei akustischen Passagen. Ein bisschen schade, denn dadurch fehlte mir die Gebanntheit, welche ich sonst auf seinen Konzerten erlebte. Versöhnt wurde ich kurz vor Schluss der zwei Stunden dann doch noch: mit einer fantastischen Version von Led Zeppelin's "No Quarter" - da schnalzte das Zünglein nicht nur mal kurz vor sich hin, da überschlug es sich fast vor taumelnder Freude!!

Zwar konnte Ben Harper diesmal nicht ganz dem Ruf gerecht werden, den er bei meiner Unwichtigkeit besitzt, nämlich einer der besten Live-Musiker ever zu sein - ein guter Konzertabend eines noch immer außergewöhnlichen Künstlers war's dann aber trotzdem gewesen...

Folgende Stücke gab Herr Harper mit seiner Bänd zum Besten:

Number With No Name / Faded / Burn To Shine / Walk Away / Waiting On An Angel / Lay There & Hate Me / Rock N' Roll Is Free / Diamonds On The Inside / Masterpiece / Another Lonely Day / Amen Omen / Better Way // Don't Give Up On Me Now / Where Could I Go / No Quarter / Better Than I Deserve

4.09.11

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