Anna Calvi                                                    13.04.11 Zürich, Stall 6

 

Immer nur die selben Wege entlang eiern ist boring. Deshalb schickt es sich wohl, auch mal anderes zu machen und gewohnt-bekannte Pfade zu verlassen. Denn was wäre das Dasein ohne die besonderen Ereignisse? Also gönnte mir das Leben eines Mittwochabends - fast mitten im April und in zudem sehr unterhaltsamer Begleitung - mich auf den Weg nach Zürich zu begeben. Ziel war eine Lokalität mit dem recht ausgefallenen Namen Stall 6; situiert mitten in der größten Stadt der eidgenössischen Nachbarschaft.

Ein bisschen erinnerten die Strukturen im Innern des Gebäudes tatsächlich an einen Stall: durchsetzt mit Holzsäulen zur Stützung des Obergeschosses sowie zwei sich durch den kompletten Raum ziehenden Abflussrinnen. Letztere wurden selbstverständlich nicht mehr in solcher Funktion benutzt, doch waren sie nach wie vor gut für einen aus-der-Bahn-schubsenden Fehltritt geeignet. Die Bühne war linksseitig und ziemlich am Ende des länglich rechteckigen Raumes angeordnet, so dass die Anwesenden sich halb drum herum aufhalten konnten. Als Ausstattung enthielt sie ein Schlagzeug, ein paar Gitarren, einen Tisch mit Harmonium und diversen perkussiven Instrumenten wie u. a. Becken und Schellenkranz, eine Triangel und Glöckchen, eine weitere große Trommel - und natürlich Verstärkerboxen dazu.

Um halb elf betrat Anna Calvi, eine blonde, recht zierliche junge Frau aus London, mit ihrer Bänd die Bühne. Wortlos behängte sie sich mit der elektrischen Gitarre, um mittels einer modifizierten Version ihres Debut-LP-Openers "Rider To The Sea" das Konzert instrumental solierend zu eröffnen. Dem folgte sogleich, nun auch unterstützt von der Frau am Harmonium sowie dem Bäckground singenden Drummer, das erste kleine Highlight: "No More Words". Dem ca. dreihundert-köpfigen Publikum waren bereits hier - wie netter Weise auch über den größten Teil des insgesamt einstündigen Auftritts - die Worte weg geblieben. Obwohl die Lady zu Beginn sicherlich noch dabei war, ihre Stimmbänder etwas aufzuwärmen, war die Gewalt ihres beachtlichen Organs schnell erkennbar, welches sich im Laufe des Abends noch zu voller Güte und damit zu Ohrschnittchen höchster Genussfreude entfalten sollte.

Höflich bedankte sich Frau Calvi ob des Applauses bei den Anwesenden, um sogleich das nächste Stück, "Blackout", die aktuelle Single, anzustimmen. In ihren Songs sich nahezu auflösen wollend wirkte sie dabei recht unnahbar und  kühl distanziert. Gerade so, als wolle sie in die Rolle des eiskalten Vämps schlüpfen. Umso irritierender, als sie nach ein paar Stücken erstmals ein kleine, leider nur mäßig zu verstehende Ansprache, mit zarter, hoher Stimmlage an die Hörer schickte: Leider sei ihr linker Arm etwas verletzt, erklärte sie, leicht verschüchtert wirkend, aber mit unbedingt gewinnendem Lächeln. Dann stellte sie ihr Instrument ab, während sich hinter ihr bereits ein guter Helfer an der Gitarre bereit machte. So musste zwar für etwa die Hälfte des Konzerts auf ihr gerne die Klassik kreuzendes Bearbeiten der sechs Saiten verzichtet werden, den gelegentlich gewollt brüchig klingenden Songs tat dies jedoch keinen Schaden an. Als weitere Highlights wären im weiteren Verlauf des Abends noch das Edith-Piaf-Cover-Stück "Jezebel" (in sehr hypnotisch groovender Version) und das eigenwillig rockige "Desire" zu vermerken.

Gegen Ende des regulären Sets entschädigte die Künstlerin für den zeitweisen Verzicht auf ihre Saitenkünste mit einem ausufernden Gitarrenteil in "Love Won't Be Leaving", übrigens auch so ein Lied mit sich zwar langsam, dafür aber immer fester in die Ohrwindungen krallender Melodielinie. Beginnend im Gewand eines ans ungefähr 16. Jahrhundert erinnernde Lautenspiel - nur halt elektrisch verstärkt und mit dezent angezerrtem Sound - ging der Vortrag in ausgesprochen rockige Klänge über und wieder zurück. Ganz, ganz groß, das!! Da war für sämtliche Seiten der Bühne glatt eine kurze Unterbrechung zum tiefen Durchatmen nötig, welche denn auch vergönnt war. Die Bänd und ihre Anführerin verließen für ein kurze Minute die Bühne, erhaschten eine ordentliche Ladung gebührenden Applauses, bevor der durchweg in besten Klangverhältnissen stehende, sehr eindrückliche Auftritt nach zwei kaum weniger ergreifenden Zugabestücken endete. Zurück bleibt die Erinnerung an ein Klasse-Konzert in außergewöhnlichem Ambiente, so dass die Heimreise in zufriedener Betörung angetreten werden konnte...

16.04.11

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P.S.: 

Als Spezial-Bonbon gibt's heute mal eine Abschrift der Original-Setliste (hab' ich extra für meine allerwerteste Leserschaft organisiert!!):

Instrumental / No More Words / Black Out / Suzanne + I / I'll Be Your Man / First We Kiss / Surrender / Moulanette / Jezebel / Desire / Love Won't Be Leaving  // Morning Light / The Devil

 

 

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