www.pandys-corner.de Alexander Hacke 15.01.26


Alexander Hacke – Krach Reloaded  15.01.26 Freiburg, Slow Club

 

Nachdem ich in den frühen Neunzigern erstmals die „Strategies Against Architecture II“, eine Compilation der Einstürzenden Neubauten, gehört hatte, die mich gleichsam verstörte wie faszinierte, verfolge ich fortan sehr interessiert das Schaffen der Bänd. Da lag es doch nahe, das Angebot anzunehmen und den Erinnerungen des langjährigen Bassisten der Bänd, die es längst vom tiefen Untergrund der Berliner S-Bahn-Brücken in die höchsten Feuilletons und Säle wie die Hamburger Elbphilharmonie geschafft hat, zu lauschen…

Mit schätzungsweise sechzig Leuten war der bestuhlte Club der Herzen ziemlich voll, als Alexander Hacke nach Öffnen des Vorhangs dem Publikum hinterm Lesetisch erschien. Nach kurzer Begrüßung begann er, die Entstehungsgeschichte seines Buches Krach – Verzerrte Erinnerungen, zu erzählen. Bereits das war sehr interessant, bot Einblicke, wie der Weg von der Idee über Literaturagenten zu Verlagen und die Prozesse des Schreibens verliefen, bis das Buch nun auf den Merch-Tisch kam. Das alles erzählte Hacke in einer Art Prolog, ehe er sich dem Lesen einiger ausgewählter Passagen des Buchtextes widmete.

Von Anfang an verstand er es richtig gut, die Ohren der Hörenden an seine Lippen zu kleben, während er seine Kindheit und Jugend im damals noch eingeschlossenen West-Berlin Revue passieren ließ, bis hin zu seinem Eintreten – oder dem Reingeschubstwerden? – in subkulturell künstlerische Kreise. Von Zeit zu Zeit spielte er einige die Worte untermalenden Klänge vom Band ein, vor allem drone-sphärische Gitarrenfeedbäcks, die die beschriebene Atmosphäre sehr passend zu unterstreichen wussten. Ein geglückter dramaturgischer Kunstgriff, das, sehr schön!!

Nebst seinem Leben ließ er zudem den Zeitgeist des Berlin der Siebziger und Achtziger gut vorstellbar aufleben, auch manch andere zeitgeschichtliche Begebenheiten hatten immer wieder ihre Kurzauftritte. Gelegentlich unterbrach der Autor seinen Lesefluss, um die eine oder andere Anmerkung ans Publikum zu richten, klopfte auf den Tisch, wenn in der gelesenen Situation geklopft wurde oder imitierte Flughafenansagen. Insgesamt verstand der Musiker es richtig gut, seinen Lesevortrag sehr lebendig zu halten, ohne auch nur den geringsten Anflug von Langatmigkeit aufkommen zu lassen.

Ansonsten überraschten immer wieder mir gänzlich unbekannte Details, die mir, der ich Hacke bislang vor allem als Neubauten-Basser, als Teil des Duos HackedePicciotto und als Kollaborateur mit dem großartigen David Eugene Edwards kannte. Etwa, dass er mit Christiane F. – ja, genau die mit dem Film und Bowie’s „Heroes“ und dem dazugehörigen Buch ‚Wir Kinder vom Bahnhof Zoo‘, das ich vor ein paar Jahrzehnten regelrecht verschlungen habe, liiert war. Nach geschätzt etwa einer Stunde, ich hab nicht auf die Uhr geschaut, erzählte er, wie als Brücke zum Epilog des Buchs fungierend, noch ein wenig, um sich dann ein paar Fragen des Publikums zu stellen, ehe er nach anderthalb Stunden die Lesung beendete und sich zum Signieren an den Eingang neben den Merch-Tisch begab.

Natürlich ließ ich mir diese Chance nicht nehmen und erstand ein Exemplar seines Buches, um es sogleich vom Autoren signieren zu lassen, ehe mein Kultur-Abend vorm Club noch rauchend und plauschend ausklingen konnte. Kurz: Ein rundum gelungener Abend – unterhaltsam, interessant, erhellend – sehr schön!!

16.01.26

Mehr von ihm und seinem Werk und Wirken gibt’s DA

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