Adam Walker (Flöte) & Sean Shibe (Gitarre) 10.10.20 Alte Oper, Frankfurt

 

Ich weiß nicht, wann ich je eine solch lange Durststrecke livemusikfreier Zeit zwischen zwei Konzertbesuchen zu bewältigen hatte. Nach sieben Monaten (!!) war es vor Kurzem endlich wieder so weit – und das sogar mit einem für meine Konzertbesuchsgewohnheiten doch recht unüblichen Event...

In der Reihe der „Frankfurter Bachkonzerte“ fand – zu deren Auftakt – im zu normalen Zeiten fünfhundert Personen fassenden Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt ein Konzert zweier Briten statt, die diverse Stücke des, wie mir zugetragen wurde, großen Barock-Komponisten Johann Sebastian Bach anhand eines Zusammenspiels von Flöte und Gitarre interpretierten. Der Saal war aus pandemischen Gründen bereits mit einem Viertel seiner Kapazität ausverkauft. Ausdrücklich durften Mund-Nasen-Bedeckungen ausschließlich während des Konzerts abgenommen werden, wie die in den Abend einführende Veranstalterin pünktlich um 18 Uhr zu Beginn der ersten von zwei Vorstellungen am Abend kundtat. Kaum hatte die Dame, nebst Regeln, auch ihre Vorfreude geäußert und den ersten Applaus des Abends erhalten, betraten die beiden in Berlin bzw. Mailand ansässigen Briten die Bühne, verbeugten sich, ließen sich zur Begrüßung ebenfalls beklatschen und nahmen sogleich ihre Plätze auf der Bühne ein. Der Gitarrist saß, der Mann an der Querflöte stand hingegen.

Die ersten Stücke fand ich zunächst etwas steril, schienen sie mir doch ohne viel Interaktion der Interpreten vom Blatt gespielt. Zudem irritierte mich, dass zwischen den Stücken nicht geklatscht wurde; nach meiner Rechnung erst nach dem vierten Song. Später brachte mein quasi musikwissenschaftlicher Begleiter Licht in mein Verständnisdunkel: Das erste Stück bestand aus vier Sätzen. Und dazwischen wird eben gefälligst nicht geklatscht, sondern erst nach Ende des gesamten Stücks – welches ich fälschlicherweise als deren vier zu identifizieren geglaubt hatte. Nun gut, immerhin, so ward ich gelobt, hatte ich nicht den Faux-pas begangen, als einziger an nicht angebrachten Stellen in Jubel auszubrechen...

Musikalisch erinnerte mich manch zu Hörendes zunächst an Klänge von Lauten aus der Renaissance, deren Sound recht nah an der klassischen (Akustik)Gitarre zu sein scheint. Bei Tönen des abendlichen Lead-Instruments, der Flöte, assoziierte ich wiederum anfangs unwillkürlich kirchliche Klänge, was wohl dem langen Wirken Bachs als einer Art Auftragssoundträckschreiber für Gottesdienste geschuldet war. Zugegeben, etwas zäh gestaltete sich das erste Viertel des für meine Ohren unbekannten Ausflugs schon. Doch nach etwa zwanzig Minuten spielte das Duo ein Stück, bei welchem die beiden Musiker sichtbarer miteinander interagierten, es gemeinsam gespielte und jeweils solierende Passagen gab und die Darbietung zunehmend an Dynamik gewann. Nun war der Funke auch bei mir angekommen, ein echter Hörgenuss!! Von hier an konnte auch die Dynamik bis zum kräftig applaudierten Ende der etwa siebzig Minuten (ohne Pause und inklusive einer winzigen Zugabe) aufrecht gehalten werden.

Gegen Ende schienen mir gar einzelne Melodiepassagen bekannt. Offenbar wurden hier einzelne Passagen verschiedener Stücke gekonnt ineinander verwoben, wie es etwa hier und da in der Unterhaltungsmusik gerne bei Medleys praktiziert wird. So konnte mir der Abend insgesamt recht gut gefallen und, trotz diesen eher ungewöhnlichen Einstiegs in die Konzertkultur aus dem klassischen Bereich, auch eine gewisse Lust auf mehr davon wecken...

20.10.20

Anmerkung: Leider habe ich in der Konstellation Walker/Shibe nicht ein einziges Video gefunden, so dass hier nichts verlinken kann. Offenbar gibts das ausschließlich und exklusiv als Live-Veranstaltung...

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