Wer lebt, stört.
Oder die vertrackte Frage nach dem richtigen Leben.
                  16.01.18 Kammertheater im E-Werk, Freiburg

 

Zum wiederholten Male fiel mir just nach Verlassen des Supermarkts um die Ecke ein durchaus einladendes Veranstaltungs-Plakat auf. Diesmal bedruckt mit den Neugier weckenden Worten: Wer lebt, stört. Klingt charmant, dachte ich. Als weitere Info stand da noch Eine Sprechperformance von und mit Mareike Tiede und Franziska Trischler. Aha. Aber what the f... ist überhaupt eine Sprechperformance...? Egal, da ich an einem der beiden vermerkten Termine ohnehin bereits mit einer Kulturinteressierten verabredet war, stand nach kurzer Rücksprache das Abendprogramm quasi fest...

Nicht lange nach Einlass in den kleinen Saal starteten die beiden Damen ohne Vorrede im Spot der Scheinwerfer ihren Auftritt, indem sie in einer Art Prolog abwechselnd mehr oder minder banal anmutende Alltäglichkeiten erzählten, die ihnen hin und wieder ein mehr oder minder schlechtes Gewissen bereitet hatten. Etwa die billigen Bananen aus Gründen des niedrigen Preises zu kaufen, anstatt die etwas höherpreisigen, dafür aber fair gehandelten. Nach den Anekdoten wurde sich jeweils hier einer Socke, da einer Stulpe, dort eines Schals entledigt, die später in einer Wanne gewaschen und zum Trocknen aufgehängt werden sollten. So waren auch die Requisiten auf der Bühne recht ungewöhnliche: Wanne mit Wasser, ein Schöpfgefäß, Wäscheleine zwischen zwei Haushaltsleitern und so...


Bald wurde klar, dass sich die Themen in der folgenden Stunde nicht nur um scheinbar kleine wie auch größere, durchweg moralisch hinterfragbare Tätigkeiten drehte; neben jenem alltäglichem Schuldigwerden ging es zudem um Sprachrhythmus sowie Geräuschkreationen; etwa ein Klopfen auf's Brustbein, um den Herzschlag zu imitieren; nachgeahmte Vogelstimmen oder die Simulation eines Wasserlaufs. Vorrangig jedoch wurden Geschichten und Metaphern erzählt und dargestellt, gesungen und vorgelesen. Es wurde sich an Erklärungen diverser Phänomene versucht und zu Nachdenklichkeit angeregt.

Da das Ganze ohne erhobenen Zeigefinger, dafür durchweg sehr sympathisch und charmant vorgetragen wurde, folgte man den beiden gerne in ihren Ausführungen, ließ sich auf die Gedanken ein und kam kaum drum rum, sich auch seine eigenen zu machen. Auch Interaktion mit dem Publikum kam nicht zu kurz, zu welchem sich Franziska regelmäßig und offensichtlich zunehmend gerne gesellte, um von dort aus Fragen zu stellen, die beantwortet werden durften, aber nicht mussten. Ein schöner Kniff der Performance, die Anwesenden mit einzubeziehen.

Es war also eine durchaus ungewöhnliche Veranstaltung, die genauer zu beschreiben oder zu benennen nicht ganz leicht ist. Sprechperfpormance trifft es schon ganz gut als Betitelung dieser von Bestandsaufnahme, reflektierten (Selbst-)Beobachtungen, Metaphern, Fragen und auch ein paar Antwortvorschlägen geprägten Darbietung. Die Leichtigkeit der beiden Vortragenden ließ dabei aus tatsächlichen Problembeleuchtungen so kurzweilige wie wertvolle Unterhaltung mit Animation zum Nachdenken werden. Eine sehr schöne Abwechslung im Programm der diversen Dilemmata des Lebens...


5.02.18

Für Interessierte hier noch ein paar Linx:

hier die beiden auf juutjuub

 und hier zum Programm (mit weiteren Linx zu den Künstlerinnen)

 

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