Einstürzende Neubauten   21.06.22 Ludwigsburg, MHP-Arena

 

Tatsächlich wollte ich beim Verfassen meines letzten Review der Bänd einfach nur einen Neubautenkenner und -verehrer über das in Ludwigsburg im Rahmen der dortigen Schlossfestspiele stattfindende Konzert – das erste seit achtzehn Jahren im Raum Stuttgart – informieren. Zehn Minuten später beantwortete ich die Frage, ob ich auch eine Karte möchte, mit einem spontanfreudigen ja… - gerne!!

Recht zeitig waren wir in der Mehrzweckhalle, die bei kompletter Bestuhlung bis zu viertausendsiebenhundert Menschen zu verschlingen vermag, angekommen. Um acht eröffneten dann Die Nerven aus Stuttgart den Abend – und trafen bei mir neuerlich keinen wohlsinnenden Nerv. Immerhin, meine beiden Mitbesucher fanden die lokalen Opener zumindest nicht ganz unansprechend…

Änyway – um Punkt neun betraten die Einstürzenden Neubauten vor etwa zweitausend anwesenden Leuten angefangen mit Alexander Hacke die Bühne, formierten sich und stiegen wortlos ins Set ein. Das achtzigminütige Hauptset war identisch mit dem Wiesbadener, das dürfte auf der gesamten Tour das Programm sein. Auch viele der Ansagen, die der Maestro mit der charakteristischen Stimme im Lauf des Abends machte, waren jenen sehr ähnlich, die ich bereits gehört hatte. Allerdings entwickelte sich bereits beim dritten Stück, „Die Befindlichkeit des Landes“, eine recht dünn-eisige Situation: Nachdem irgendein Typ aus den vordersten Reihen der Meinung war, er müsse das Set mittels eigener Pfeiferei mitgestalten, unterbrach Blixa Bargeld abrupt in einem kleinen Break seinen textlichen Vortrag, wandte sich dem Typen direkt zu und fragte diesen unvermittelt: „Hast du dann mal bald ausgepfiffen?“ Dann stieg er direkt wieder in den Text ein. Jedoch war der Genuss des Songs dadurch bereits deutlich getrübt.

Nahtlos folgte dem eine tolle Version von „Sonnenbarke“ – mit fast übereindrücklich betontem Choral „komm mit, komm mit, komm mit, komm mit, komm mit, komm mit mir“ – ehe der Sänger sich ans Publikum wandte: „Wir machen das ja normalerweise nicht. Aber wir sind hier alle so genervt von dem Typen – bringt den weg!“ Daraufhin gab es Applaus sowie weitere Zwischenrufe wie „Kinski“, „Weiterspielen“ – ich hab nicht alles verstanden. Gitarrist Jochen Arbeit antwortete einem anderen Zwischenrufer mit „Arschloch!“ – sehr brenzlig jedenfalls, das alles. Die Stimmung kippte in der Tat zu drohen!! Oder so…

Letztlich konnte der unsägliche Banause dann doch beruhigt oder an einen anderen Ort in der Halle geleitet werden, egal, das Konzert jedenfalls konnte nach kurzer Unterbrechung und glücklicher Weise ohne weitere derartige Irritationen seinen musikalisch erneut exquisiten Lauf nehmen…

Später im Set, Blixa hatte sich offenbar von dem Ärgernis gelöst und auch die Bänd wieder zum Spaß zurückgefunden, gestikulierte der singende Poet mit der unverkennbaren Lyrik beim ruhigen Übergang während „How Did I Die?“ kurz mit dem Zeigefinger am Mund, so dass der dramaturgische akustische Weg in den lauteren Part nicht unterbrochen wurde. Bei durchweg gutem Sound unterschied sich die Setliste in den Zugaben von der in Wiesbaden gehörten: „Redukt“ und „Sabrina“ waren nicht dabei, sondern unter „In Reserve“ auf der Setliste vermerkt. Dafür gab es „La Guillotine de Magritte“, eine Video-Single zum aktuellen Album, zu hören, für das sich Unruh abseits der Bühne flugs mittels Plastikkittel und einem in dessen Höhe weit überdimensionierten Plastikhut in Schale warf und für diesen Song damit posierte. Ein lustiger Gimmick in der gesamten Performänce des Abends. Außerdem war „Let's Do It A Da Da“ von ‚Alles wieder offen‘ in einer unheimlich geilen Version im Set, womit der Abend lautstark und sehr kontrapunktisch zum gesamten Set beschlossen wurde!! Sehr geil!!

Im Übrigen habe ich bei diesem Konzert dazugelernt, dass die Rolle Sägeblätter tatsächlich eine Turbine ist. Rudolf Moser korrigierte hier seinen Frontmann bei dessen Ansprache, dass diese sehr wohl in New York dabei war, nachdem Bargeld die Bänd vorgestellt hatte und zu Keyboarder Felix Gebhard erwähnte, dass dieser alles spiele, was die Bänd nicht mitbringen könne. Dabei tat er kund: „Diese Turbine war noch nie den USA“, woraufhin Moser dann eben intervenierte. Einer der amüsanten Momente in der abendlichen Bänd-Dynamik, die sich auf dieser Tour zwischenzeitlich offenbar hervorragend eingespielt hat.

Nachdem der Auftritt nach einer Stunde und fünfundvierzig Minuten geendet hatte, waren wir uns alle drei einig, ein in der Tat außerordentliches Konzert gehört zu haben – und diskutierten natürlich noch die Negativ-Szene des Abends, die nichts daran ändern konnte, einen – alles in allem – vorzüglichen Sommerabend am längsten Tag des Jahres erlebt zu haben…

 

Die erneut fotografierte Setliste sah dieses Mal so aus:

Wedding / Möbliertes Lied / Nagorny Karabach / Die Befindlichkeit des Landes / Sonnenbarke / Seven Screws / Grazer Damm / Alles in Allem / Zivilisatorisches Missgeschick / How Did I Die? / Am Landwehrkanal / Ten Grand Goldie / Susej // Taschen / La Guillotine de Margitte / Tempelhof // Rampe / Let's Do It A Da Da


Ich freu mich auf den in Kürze anstehenden Besuch der Bänd in Hamburg!!

25.06.22

... und HIER gehts nochmal in den Schlachthof

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