
Theater: Nora oder Ein Puppenheim
7.08.26 Freiburg, Theater der Immoralisten
Am Freitag, einem der angenehmeren Sommerabende, weil einfach mal nicht so schrecklich überhitzt, besuchte ich eine Frischluft-Vorstellung der guten Immoralisten. Erst später erfuhr ich, dass das auf dem Spielplan stehende Stück Nora oder Ein Puppenheim bereits gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts von einem Dänen namens Ibsen geschrieben wurde, der ein früher Verfechter der Gleichberechtigung für die Geschlechter war. Die Immoralist*innen nahmen sich die Story zur Brust und brachten sie gewohnt eigenwillig auf die Bühne.
Tja, und obwohl ich es vom immoralistischen Ensemble kenne, dass sehr gerne Männer von Schauspielerinnen und Frauen von Schauspielern dargestellt werden, war es heuer doch etwas gewöhnungsbedürftig, zumindest zu Beginn. Nora fläzte soeben zwischen Liegestuhl und Pool aka Planschbecken umher – zu Cindy Lauper’s „Girls just want to have Fun“. Irritierend, aber amüsant. Nun wurden nach und die Charaktere vorgestellt und der Reigen aus Liebe, Dominanzansprüchen, Machtspielen und dem Streben nach Erfüllung der eigenen Sehnsüchte und unterschiedlichen Interessen nahm seinen Lauf.
Besonders heraus stach der Hauptdarsteller, der Nora alles andere als eine Püppchengestalt gab, die von ihrem Angetrauten mal Eichhörnchen, mal Singvögelchen und mal mit anderen eher merkwürdigen Kosenamen bezeichnet wurde, als er im zweiten Akt wild auf einer kleinen Klappleiter tanzte – erneut zum oben genannten Song, wenn ich es recht erinnere. Zu dem Zeitpunkt war die Irritation bei mir längst zur Seite gelegt und ich wurde mitgezogen von den Drehungen und Wendungen, den Dramen und Kömödien, die sich vor mir auf der Bühne abspielten, mal überzogen plakativ, mal gesellschaftliche Konventionen dick unterstreichend und immer wieder mit passenden Musikeinspielern; vor allem Cindy Lauper und mehrfach, wie auch zum Ausklang, ein mir leider unbekannter, aber großartig zum Stück passender Song von Element of Crime.
So war ein sehr unterhaltsamer und amüsanter Theaterabend im Gewerbehof zu erleben, bis am Ende über den unehrlichen Intrigen und Machenschaften mit absehbar traurigem Ende das Licht ausging und das Ensemble für diese gelungene Vorstellung gebührend gefeiert wurde. Einzig die Stühle, die recht unbequem waren und sehr dicht aufeinander standen, waren eine kleine Herausforderung…
9.08.26
Guck mal ins Zuhause des Theaters – DA