
ORCUTT/ SHELLEY/ MILLER 2.05.26 Villingen, MPS-Studios
Das dieses Jahr günstig gelegene Tag-der-Arbeit-Wochenende nutzte ich für einen Mini-Radel-Trip in den Schwarzwald. Im Zentrum des Ausflugs – sowohl zeitlich, als auch aufmerksamkeitlich – stand am Samstagabend der Anlass und Grund der Reise: Drei U.S.-amerikanische Künstler legten in Villingen einen Stopp ein, um die ausverkauften MPS-Studios mit ihrem sehr beeindruckenden Klang- und Groove-Universum aus Instrumentalschall im besten Sinne zu erschüttern!!
Vom ersten Schlag der Gitarre an gestaltete sich die ein-einviertelstündige Performänce von ORCUTT/ SHELLEY/ MILLER sehr mitreißend. Gitarrist Bill Orcutt legte zusammen mit Basser Ethan Miller, der am kleinen halbakustischen – doch selbstverständlich verstärkten und mit Effekten versehenen – Hoefner-Viersaiter zugange war, ein paar Takte vor, ehe Ex-Sonic Youth-Schlagzeuger Steve Shelley in den beginnenden Reigen einstieg. Da ich relativ weit hinten und außen im Raum saß, sah ich nebst Shelley häufig nur den sich permanent im Groove seines Sounds befindlichen Bassisten, der seinen Viersaiter zumeist eher wie eine Gitarre spielte, mitsamt vielen Lead-Passagen, stets zum hypnotischen, mit einem dicken Teppich alles zusammenhaltenden Takt des Drummers. Schräg im Raum, kwasi mir diagonal gegenüber, so dass ich häufig nur seinen Scheitel und das Ende des Gitarrenhalses zu Gesicht bekam, saß Orcutt und bearbeitete fast schon stoisch in sich gekehrt seine Gitarre.
Aus der Konstellation dieser drei Musiker ergaben sich Soundwelten von filigran virtuos bis hin zu orgiastischen, fast schon infernalischen noisy Ausbrüchen – in stetem Wechselspiel ineinander übergehend. Genauso nahtlos folgten einige Songs aufeinander, so dass ich derer vier an der Zahl schlicht anhand dreier Pausen im Klangkarussell registrieren konnte. In den Pausen bedankte sich zumeist Miller beim Publikum, ehe Orcutt nach einiger Zeit das Wort ergriff, die Bänd vorstellte und den letzten Song ankündigte. So schnell kann eine Stunde vorbei sein, dachte ich überrascht, nachdem mir offenbar vor lauter akustischer Fesselung das Zeitgefühl komplett abhanden gekommen war, ich den Kompositionen des Trios lauschte, die sich nicht selten in Improvisationen verwandelten.
Mal hatte dabei Miller, mal hatte Orcutt die führenden Saitenfäden in der Hand, spielte sie zurück, erhielt sie wieder, während Shelley, dessen Spiel insgesamt zwar eher unspektakulär wirkte, dabei jedoch von steter, unumstößlicher Präsenz geprägt war und letztlich Spieler wie Zuhörende hypnotisch bei Laune haltend durch das Set dirigierte – sehr, sehr geil, das alles!! Nicht eben selten fühlte ich mich eingeladen, mich mit geschlossenen Augen in der Klangwelt des Trios schweben zu lassen.
Den Abschluss machte Bill Orcutt alleine. Nachdem das Publikum sehr begeistert nach mehr applaudiert hatte, kam er nochmal zurück auf seinen Stuhl und performte solo noch ein Stück, ließ nochmal seine akustischen Blitze durch die Reihen schallen, ehe auch er sich den verdienten Feierabend gönnte.
So kann ich hier also schwärmerisch von einem wahren Hör-Spektakel in den MPS-Studios berichten, dieser einzigartigen Lokalität, wo mal wieder bei erstklassigem Sound das angenehm uneitel dargebotene Werk von außergewöhnlichen Musikanten und Meistern ihrer Leidenschaft zu sehen und zu hören war. Und die Heimfahrt am nächsten Tag, die ich zum größten Teil in die Pedale strampelnd zurücklegte – setzte dem Wochenende die wohlverdiente Krone auf…
10.05.26
Live-Eindrücke des Trios – der Song „A Star is Born“ war übrigens auch Opener des Gigs in Villingen – gibt’s HIER
Die drei gibt’s auch beim Bändcämp – DA
Und für Interessierte außergewöhnlicher Klänge – guckt in jedem Fall mal auf die Seite der MPS-Studios!!