www.pandys-corner.de Lucy Kruger & The Lost Boys 22.07.26


LUCY KRUGER & THE LOST BOYS 22.07.26, Freiburg, Theater Summerstage

 

Ein schönes Überbleibsel aus der Pandemie ist die Summerstage des Freiburger Theaters, wo seither alljährlich einige Tage lang Live-Musik im Herzen der Stadt zu goutieren ist. Und das auch noch gratis. Auch der Slow Club mischt fleißig als Veranstalterin mit, am Mittwochabend etwa mit der Präsentation des Auftritts von Lucy Kruger & The Lost Boys.

Bei The Lost Boys handelte es sich um einen Schlagzeuger, einen Basser, eine Gitarristin und eine Viola-Spielerin, die sich um die im Mittelpunkt des Geschehens agierende Lucy Kruger scharten und stets formidable Soundteppiche für deren Stimme auslegten, die irgendwo zwischen Düster Pop und Punk-Chanson changierten. Dabei klang die Frontfrau mal sanft und zerbrechlich, mal wütend und aufgekratzt; meist aber kühl distanziert.

Nachdem die Bänd um viertel nach acht mit dem Soundcheck fertig war, stellte Kruger kurz die Bänd vor, dann gings los. Es gab fortan wenig Atempausen, häufig gingen die Songs ineinander über oder wurden per Gitarren- oder Geigenfeedbäcks miteinander verbunden. Ja, die Gitarre!! Der Sound und das Spiel der Gitarristin hatte es mir schon während des Soundchecks angetan. Seltenst spielte die Frau konventionell, weit überwiegend erschuf sie Sounds irgendwo zwischen Noise und Psychedelik. Nicht selten wurde ein Frage-Antwort-Spiel zwischen der Stimme und den Geräuschen der Saiten zelebriert; dabei klang die Gitarre stets, als wäre irgendwas an den Tonabnehmern kaputt. Sie quietschte, gellte, sägte, röhrte, schrie, was das Zeug hielt – sehr, sehr geil!!

Gleichsam war ich vom Auftreten der Sängerin von Beginn an in Bann gezogen. Sie schaffte es durchweg, mit oder ohne Gitarre, mit einer insgesamt reduzierten, außerordentlich coolen Performänce aus wenigen, wohl durchdachten Gesten und mit stets eindringlicher Mimik ihre Texte zu untermalen, die sich – soweit ich sie verstehen konnte – viel um Liebe, Queerness, Übergriffe und problematische gesellschaftliche Gegebenheiten drehten. Die distanzierte Kühle unterstrich Kruger auch damit, dass sie zwischen den Songs das Publikum, dem sie während der Songs komplett zugewandt war, fast zu ignorieren schien, während sie beim Singen häufig in Blickkontakt mit den Anwesenden ging. Sehr beeindruckend, das!! Es dauerte denn auch, nach der anfänglichen Bändvorstellung, schlappe dreiundfünfzig Minuten, ehe sie das erste Mal ein „thank you“ ans Publikum richtete.

Die Songs warteten gerne mit laut-leise-Wechseln auf, Bass und Schlagzeug sorgten für Rhythmus und Tiefe des Sounds, die Viola, ebenfalls mit vielen Effekten ausgestattet, hatte den sanften Gegenpart zur Gitarre, ihre Spielerin unterstützte die Sängerin immer wieder mit passender B-Vox. Es machte sowohl Spaß, die Performänce des Quintetts zu beobachten, als auch die Augen zu schließen und sich vom Sound tragen zu lassen.

Insgesamt spielte das Quintett eineinviertel Stunden und endete mit einer vom Publikum vehement geforderten Zugabe, ehe Severine vom Slow Club diesmal nach der Bänd die Bühne betrat und über den aktuellen Stand der Dinge beim Club informiert und nicht zuletzt die vielen Anwesenden des Teams des Clubs der Herzen ebenfalls gebührend feiern ließ. Mir bleibt die Hoffnung, dass Lucy und ihre Lost Boys in nicht allzu ferner Zukunft mal wieder in den schmucken Räumlichkeiten gastieren werden. Ich gehe stark davon aus, dass sich die Intensität unter Ausschluss von Tageslicht noch deutlich stärker entfalten kann. Mir nämlich hat die Dame samt ihrer Bänd und dieser eigenwilligen Mischung aus Noise Rock, Psychedelik und Art-Pop schwer imponiert …

30.07.26

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