OLDSEED 14.02.25 Freiburg, Slow Club
Ein ebenso liebens- wie hörenswerter alter Bekannter kam am Freitagabend endlich mal wieder in den Slow Club. Ja, da lag mit sechs Jahren eine lange Abstinenz und nicht zuletzt eine ganze Pandemie dazwischen. Umso größer war meine Freude auf Craig Bjerring alias OLDSEED, meines Erachtens fraglos einer der besten Repräsentanten des Genre der Singer-Songwriter...
Vorweg gabs zum Aufwärmen einen jungen Künstler aus Freiburg namens Max Sikora. Der spielte seine akustische Gitarre mit so einigem an Effekten und Loop-Sämples, womit er einen Sound irgendwo zwischen späcey Psychedelik und akustischem Stonerrock erzeugte. Lange Instrumentalpassagen mit vielen sphärischen Klängen überwogen die mit Gesang ausstaffierten Teile seiner Stücke, die sich oft langsam entwickelten und sich dabei entsprechend Zeit ließen, deutlich. Das war eine Weile lang schön anzuhören, mit der Zeit war mir persönlich dann aber doch zu wenig Abwechslung im etwa vierzigminütigen Set von Sikora, der zum Finale eine eigenwillige Version von Nine Inch Nails’ respektive Johnny Cash’s „Hurt“ spielte.
Der Umbau der ohnehin spärlich bestückten Bühne ging zügig vonstatten, denn OLDSEED benötigte für sein Solo-Set nur sehr wenig: Ein Mikro, den Ständer dazu,ein Kabel für seine Gitarre – fertig. Und das reichte vollkommen aus, um die etwa fünfzig Anwesenden für die kommende Stunde in sehr angenehmen Bann zu ziehen. Er zog mit der Gitarre so einige Register, sowohl was das Picking, als auch den Anschlag anging, hatte stimmlich nicht weniger zu bieten, reicht seine Charakter-Stimme doch vom kräftig kratzigen über sanfte Töne hin bis in ziemliche Höhen – all das zelebrierte er in stetem Wechsel immer wieder ausgiebig.
So stilvoll wie gekonnt bot Craig seine wunderschönen Songs dar, die sich mal um die Liebe drehen und mal Empfehlungen zum Reparieren zwischenmenschlicher Beziehungen enthalten, dabei stets seine Perspektiven auf den Alltag oder auch die Politik spiegeln. Auch mit seinen gelegentlichen Ansprachen zwischen und zu manchen Songs erzeugte OLDSEED von Beginn eine sehr angenehme, manchmal nachdenkliche, nicht selten auch belustigte Atmosphäre – insbesondere bei manch recht süffisanter Ansage; in jedem Fall aber streichelte er mit seiner Darbietung, deren Schwerpunkt an gespielten Stücken klar auf seinen jüngeren Alben lag, nebst des Gehörs auch gleich die Seelen des Publikums – und dieses nahm beides offenbar nicht nur sehr gerne, sondern auch weit überwiegend mit gebührender Aufmerksamkeit an.
Es war also – wie nicht anders zu erwarten – ein toller Auftritt des in Deutschland lebenden Kanadiers, der lediglich den Wunsch übrig lässt, dass zwischen diesem und dem nächsten Auftritt im Slow Club nicht gar so viel Zeit verstreichen möge...
15.02.25
Auf den Alben spielt er seine Songs meist mit Bänd ein – trotzdem unbedingt HIER reinhören!!